KategorieUnweisheiten aus der Provinz

249. WIR WOLLEN NICHT OPFER DER UNENTSCHLOSSENHEIT SEIN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. März 2023

Es ist Samstagabend und wir sehen uns genötigt, die Dorfskneipe unter unsere Herrschaft zu nehmen.

Der faule Gastwirt wächst über sich selbst hinaus: was beim Hantieren am Bierzapfhahn jetzt herauskommt, steht im krassen Widerspruch zu seinen Jahrzehnte alten Erfahrungen.

Die sonst so müde Kellnerschar schiebt die Füße ganz schnell und balancierend vorwärts, wobei sie unter konvulsivisch angestrengten Windungen des Oberkörpers heldenhaft vom schwankenden, überfüllten Serviertablett versucht zu retten, was noch zu retten ist.

Wir sind ohne Rast und Rücksicht tätig, als ob uns die Erschaffung der Welt auferlegt sei. Jetzt ist keine Zeit mehr für menschliche Regungen, denn wir wissen: diesen Abend wollen wir nicht Opfer der Unentschlossenheit sein.

248. DAS BRÜLLENDE GELÄCHTER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 20. März 2023

Als stellvertretende Unterabteilungsleiter für Reklame und Sonstiges geben wir an einem undeutlichen Abend  auf einer wilden After Work Party bekannt, uns in der Lage versetzt zu sehen, die Geschicke unseres Weltkonzerns lenken zu können. Und nicht nur zu können, auch zu wollen, verdeutlichen wir später am Abend noch.

Unser Ruf ist uns schon vorausgeeilt: als wir am nächsten Tag ins Büro eintreffen bildet sich sofort ein huldigender Kreis von Kollegen, Betriebsratsmitglieder und Putzfrauen um uns.

Das sonst so träge Weltkonzernbarometer ist plötzlich aus seinem Tiefschlaf erwacht, die Nadel steht auf Sturm und Regen. Aus schwarzem Gewölk schlägt rau und wild die Riesenhand des Gesamtspartenleiters für den nicht-operativen Bereich dazwischen: “Ab in die Rumpelkammer mit Euch, Sie Zirkusgesichter!”

Und schon sind wir weggefegt, als wären wir nie gestanden. In verächtlicher Weise werden wir kindisch und sagen, fortan nur große Dingen für den Weltkonzern vollbringen zu wollen. Unmöglich das brüllende Gelächter aus dem Büro des Gesamtspartenleiters für den nicht-operativen Bereich zu überhören…

247. UMGANG MIT DER MOUSE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. März 2023

Durch einen einzigartigen kombinierten Einsatz der bewährten Kommunikationsmedien Schreibblock/Bleistift und Telefon, schafften wir es als Vorstandvorsitzender über Jahrzehnten unser Persönlichkeitsprofil bei der Lenkung der weltwirtschaftlichen Geschicke unseres Konzerns außerordentlich scharf zu halten. Bis zum Tage, an dem als eine Begleiterscheinung der Globalisierung aufstrebende Jungmanager von allen Seiten ungefragt in unsere Einflusssphäre eintreten.

Wir entscheiden uns die Entwicklungsstufen Telefax und Handy zu überspringen und uns gleich das Internet zu Nutze machen zu wollen.

Beim Abendkurs an der Volkshochschule, wird aber – alleine schon durch den Umgang mit der Mouse – unser Nervensystems vollständig zerrüttet. Die dunklen Mächte der Zukunft haben gesiegt.

Wir halten uns künftig häufig in der umliegenden Kneipenlandschaft auf. Durch zahllose Freirunden Bier gelingt es uns zumindest hier immer den Vorsitz der gesamten Belegschaft an uns zu reißen.

246. SCHOKOLADE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6. März 2023

Die Dame streift ihre Röcke hoch genug, dass wir uns überzeugen können: diese Beine erheben Anspruch zu Recht.

Wir sind Neugierig was wohl aus der Dame werden wird.

Bei der Schokolade in unserem Bett allerdings auch eine völlig unbekleidete Dame.

Denn die Röcke sind weg, verschwunden, wie später auch unsere Erinnerung.

245. Verdauungsschlaf

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. Februar 2023

Vorstandsmitglied eines Weltkonzerns zu sein, wäre doch was.

Für uns, stellvertretender Unterabteilungsleiter für Reklame und Sonstiges, die sehr an uns selbst denken müssen, weil niemand anders dies tut, würde das genügen.

Aber nein, dieser Unmann von Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich muß sich wieder einmal ungefragt in die Weltgeschichte einmischen. Wir erhalten den Wink, unser Talent zum Vorstandsmitglied außerhalb unseres Weltkonzerns auszuleben.

Fortan liegen wir hinter unseren Schreibtischen, wie in ihren dunklen Schlammlöchern die regungslosen, trägen Körper riesenhafter Krokodile, die sich zu einem monatelangen Verdauungsschlaf zurückgezogen haben. Unsere schlechte Laune, welche wir durch ein blutrünstiges, schnarrendes Bellen kundgeben, versetzt den Werbeleiter mit vorläufiger Prokura in große Unruhe.

244. Weltentfremdung

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 20. Februar 2023

Dem Winzling von Spartenleiter für Personal und Sonstige Probleme bereitet es kein Vergnügen, sich mit uns über eine Gehaltserhöhung unterhalten zu müssen.

Wir sehen, daß er spürt, wie sein Achselschweiß rinnt, wenn unser unguter Blick ihn trifft. Sein Gesicht ist keines, den Umständen entsprechenden Ausdrucks, mehr fähig.

Und dann … plötzlich wirft er mit ungeheurer Gewalt die Brust in die Höhe und den Kopf hinüber bis in den Schultern, die er nach allen Seiten hinreckt und wendet sich – die Augen fast geschlossenen  – mit fester Stimme an uns: ” Über Eure Fähigkeiten und Schwächen zu streiten, hat in meinen Augen keinen Nutzen. Wo das Wissen so spärlich und unsicher ist, wird das Urteil leicht verschieden lauten und hat jeder das Recht seiner Meinung.”

Man sagt uns nach, daß sich seitdem eine Neigung zur Weltentfremdung uns zu bemächtigen begonnen hat.

243. Rechtzeitig

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. Februar 2023

Aus lauter Freude über eine riesige Erbschaft versterben wir.

Viel zu jung, wie der Pfarrer richtig sagt.

Aber offensichtlich doch rechtzeitig genug um bei einigen unserer Verwandten 4.Grades keine Trauer aufkommen zu lassen.

Während unserer Zeit im Fegefeuer denken wir andauernd über Zirkelbezüge nach und können es nicht umgehen, feststellen zu müssen, daß das Schicksal es mit uns nicht gut gemeint hat.

242. Des Lebens Urkraft

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6. Februar 2023

Auf einer Freiluftbühne in unserem Geburtsort spielt eine Volksmusikantentruppe in voller Besetzung auf.

Aus ihrer Klangfülle braust und summt in den gewaltigen Akkorden des Lebens Urkraft und Unerschöpflichkeit.

Kammermusik spielen sie freilich nicht.

Der Himmel erbarmt sich uns, wenn plötzlich ein Orkan einsetzt und Donnerschläge erschallen, die uns das Herz aufrühren.

241. Das Bier in der Dorfskneipe

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 30. Januar 2023

Das Bier in der Dorfskneipe

schmeckt scheußlich.

Aber es ist beruhigend zu wissen:

es sind Unmengen davon vorhanden.

240. Überhängende Lebensbaumzweige

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 23. Januar 2023

Neuerdings werden wir von unserer Nachbarin mit einem  „Hallo, Herr Nachbar, entfernen Sie umgehend ihre überhängenden Lebensbaumzweige, sonst schicke ich Ihnen die Finanzbehörden auf den Hals!“ begrüßt.

Wir antworten: „ Es freut uns nicht zu sehen, daß die Welt von Tag zu Tag unzivilisierter wird, aber Sie erweisen uns doch mehr Unehre, als wir verdienen. Denn nach unserer nicht unmaßgeblichen Ansicht haben die Finanzbehörden aufgrund unserer nicht ausreichenden Einkünfte, nur geringe Aussichten, Ihrem Wunsch entsprechend, erfolgreich tätig werden zu können. Wir bitten sie daher eindringlich, ihre Anregungen als unhaltbar zu streichen.“

Darauf wird die Seele, die in der Hülle ihres robusten, wilden Körpers lebt, von Wut gepackt. Sie hält es nicht nur für erlaubt, sondern für verdienstvoll uns umzubringen. Lediglich die zivilrechtlichen Folgen halten sie davon ab. Wir sagen ihr noch: „Schade für unsere Erben.” Für einen Moment überließ sie sich schweigend unserer Betrachtung und ist dann plötzlich verschwunden. Wir haben sie nie wieder gesehen.

Uns wurde zugetragen, daß sie sich seit diesem Vorfall in die Einsiedelei zurückgezogen hat und sich der Geraniumzucht widmet; ab und zu soll sie auch Jazz-Standards vor sich hin summen.

239. Kohlenhändler

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. Januar 2023

New Economisterchen und Investment Bänkerchen fragen uns, wie es denn dem Kohlenhändler im Zeitalter der Globalisierung und der Telekommunikation so geht.

Schwärzer denn je färbt sich unsere Seele.

Durch die Mitteilung, daß wir beabsichtigen, die Merkmale ihrer dünnen Persönlichkeiten in einer 1-spaltigen und 1-zeiligen Excel-Tabelle zusammen zu fassen, schlagen wir ihnen den Knüppel der Erkenntnis, tief in die Schädel, daß sie taumeln. Da findet das Lachen prompt ein Ende.

Die Jüngelchen … jetzt liegen sie da: niedergestürzt von der höchsten Stufe irdischer Herrlichkeit. Noch nicht einmal  Ihr eigener ROI kann sie zum MBO aufmuntern.

238. Geistesabwesend

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 9. Januar 2023

Bei unserem Treffen mit dem Spartenleiter für Personal und Sonstige Probleme lenken wir das Gespräch auf das Thema “Gehaltserhöhung”. An dieser Stelle des Gespräches wirkt der Spartenleiter geistesabwesend.

Nach einer Weile fragt er: “Haben Sie eine Gehaltserhöhung denn auch verdient?”

Wir verneigen uns. “Vielleicht, Herr Spartenleiter, dürfen wir uns in Beispielen an das auch uns Rätselhafte herantasten?”, antworten wir in sanftmütigem Ton.

In der rotdurchglühten, stillen Luft hören wir seinen Atem gehen. Dann verläßt er seinen Sitz und beginnt im Raum auf und ab zu wandern. Ein innerer Sturm scheint ihn hoch zu jagen. Er setzt, zu einem weit ausholenden, pathetischen Redeschwall an. Als wir – unter Ankündigung eines erneuten Treffens morgenfrüh – sein Büro bereits verlassen haben, hören wir noch, wie er mit lauter, schwärmerischer Stimme vom Glück der Armen vor sich hin zu predigen beginnt.

237. Katarakt der Erinnerungen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. Januar 2023

Eine bekannte Gestalt tritt vor unser inneres Auge, wenn wir den alten, zerlesenen Geschäftsbericht wieder aufschlagen.

Unter dem Katarakt der Erinnerungen greifen unsere Gedanken nach einigen winzigen Tatsachen.

Wie zum Beispiel eine Reisekostenabrechnung für einen Hubschrauberflug nach Monaco mit anschließendem Treffen mit internationalen Gästen auf der örtlichen Formel 1-Rennbahn. Oder die Abrechnung von Restaurantkosten anläßlich eines Treffens in Saint-Tropez, wo es um Fragen der Weltwirtschaft ging.

Jaja, dieser alte Geschäftsführer… er war der Geschäftsführer, weil der Geschäftsführer er war. So war er und schien sich schon bei allem etwas gedacht zu haben.

236. Speck und Eier

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 26. Dezember 2022

Auf einer Ponyranchfete fühlen wir, wie die Mädchen brennen und uns anglühen.

Ein schwüler Moment in unserer Geschichte bahnt sich an; starke Impulsen des vom elementarsten Triebleben getragenen Daseins entfalten sich.

Mit apathischen Gesichtszügen, worauf sich Weltfremdheit ausdruckt versuchen wir das leuchtende Erwachen der Natur zu überspielen.

Aber zu spät. Da brechen die Mädchen und die Schwiegermütter schon in Jubelgesang aus. Kurz sind jetzt die sozialen Bekundungen, und einfach die Handlungen. Am nächsten Morgen sitzen wir bereits an irgendeinem schwiegermütterlichen Frühstückstisch und essen Speck und Eier.

235. Scheidestunde

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 19. Dezember 2022

In unserem bevorzugten Sonnenstudio begegnen wir eine reife Dame. Wir werden uns rasch gut und finden ein Wohlgefallen als zukünftige Schwiegermutter resp. Schwiegersohn an einander. Es finden des öfteren Treffen statt, nur die zukünftige Braut glänzt jedes Mal durch Abwesenheit. Wir sinnen  auf eine Zurechtweisung dieses nichtsnutzigen Weibchens, das sich so beharrlich unserem Familienglück zuwider stellt.

Eines Tages besuchen wir unsere auserwählte Schwiegermama und schenken ihr sehr betont rote Rosen. Sie ist entzückt.

Und dann plötzlich eröffnet sich die Tür vom Nebenzimmer und da steht sie, unsere künftige Verlobte: eine Mädchen von überraschender, blendender, überwältigender Schönheit, in träumerischen Sinnen verloren. Wir vergehen vor Schüchternheit und können nur murmelnd ausbringen, daß wir wiederkommen könnten, wann sie es will. Vor allem aber täglich. Wenn möglich natürlich.

Sie lacht uns an und sagt: „ Ich schenke Euch meine Hochachtung zur Gedächtnis dieser Scheidestunde. „  Sie verschwindet und läßt sich nie mehr blicken. Vergeblich versucht unsere liebe zukünftige Schwiegermama uns noch mit alten  Minnegesängen zu trösten, aber wir wissen jetzt: unglücklich ist nicht der gescheiterte Liebhaber, unglücklich ist nur der enttäuschte Idiot.

234. GELDBEDÜRFTIG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 12. Dezember 2022

Wir sind reiche Erben. Um es genauer zu fassen, wir waren reiche Erben. Das ist ein Unterscheid.

Sind wir etwa geldgierig? Nein doch, wir sind nur geldbedürftig, denn wir pflegen nicht auf kleinem Fuß zu leben.

Neuerdings spielen wir auch Lotto.

In unserem Tun und Handeln waltet schon eine innere Notwendigkeit.

233. Tröstende und aufmunternde Worte

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 5. Dezember 2022

In unserer Stammkneipe beginnt sich die Stimmung mächtig zu heben.

Wir überzeugen uns gegenseitig sehr heftig, daß wir ein uneingeschränktes Anrecht darauf haben, auf die Gesundheit unserer respektiven Ehefrauen zu trinken, damit diese in der Gegenwart von den vielen hübschen Mädchen nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Bald ist es schon nicht mehr möglich die zahllosen anwesenden, hübschen Mädchen mit ihren tröstenden und aufmunternden Worten fernzuhalten.

Es treten Ereignisse ein. Jetzt komm es für uns darauf an, unsere Ehefrauen zu erklären, uns nur nach dem zu beurteilen, was wir nicht gewollt, nicht was wir getan haben.

232. Bierrechnungen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 28. November 2022

Ein Blick in die abgrundtiefe Leere unserer Geldbörse lernt uns, daß wir uns künftig mit Tätigkeiten auseinander zu setzen haben werden, die auf Arbeit hindeuten.

Für uns, die immer schöpferisch tätig waren, da wo Reines empfunden werden kann und wo uns keine Grimassen und Fratzen an dem Schönen hindern können, ist dies ein abschreckendes Unterfangen, wir werden das Gefühl des Lauerns in den Ecken nicht mehr los.

In unserer Lieblingsspelunke lassen wir keine Gelegenheit aus, lungenkräftig ernsthafte Einwendungen gegen unser Schicksal zu erheben.

Dabei finden wir viel Anteilnahme – außer bei dem Wirt, der jedes Mal versucht, das Gespräch auf offene Bierrechnungen zu lenken.

231. Morgendämmerung

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 21. November 2022

In unserer Stammkneipe versuchen unsere jungen Freunde uns davon zu überzeugen, daß sie völlig besoffen sind und ihnen übel sei.

Wir verstehen, unsere jungen Freunde wollen ihre schlummernde Sehnsucht nach zu Hause stillen.

Wir wollen unsere jungen Freunde aber nicht entbehren und bewachen sie sorgfältig, damit sie nicht fliehen.

Während wir die alten Heldenlieder singen und viele vorteilhafte Ratschläge erteilen, versuchen sie ihre steigende Entrüstung mit weiterem flüssigen Trost zu unterdrücken. Gemeinsam verbringen wir die Zeit bis zur Morgendämmerung voller schönen Stunden und geistiger Anregungen.

230. EIN PAAR LITER BIER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 14. November 2022

Ein paar Liter Bier des Tages zu trinken, gehört in unserem Geburtsort gar nicht zu den Beweisen unerhörter Unmäßigkeit.

Regelmäßig stellen wir unser anklagendes Gewissen als Zeugen gegen uns auf und finden uns nie in irgend etwas vor uns versündigt.

Unsere Gefühle sind echt, aus voller Seele gequollen.

Der feinfühlige Wirt aus unserer Stammkneipe sagt uns vertrauensvoll, es nicht umgehen zu können, uns die Richtigkeit unserer Ansichten bestätigen zu müssen.

229. VERDURSTEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 7. November 2022

Wir suchen aus dem Vertrauen, daß wir den drei vom feinfühligen Wirt unserer Stammkneipe uneingeschränkt zur Verfügung gestellten Karaffen – Portwein, Zitronenjenever und Bordeaux – entgegenbringen, unseren angeborenen Trieb, dem Verdursten zu entrinnen, zu befriedigen, Nutzen zu schlagen.

Bei jeder Gelegenheit lassen wir die drei Karaffen in ordentlicher Regelmäßigkeit die Runde machen.

In uns vereinen sich bald urwillentliche Äußerungskräfte mit der gewaltigen Macht der Alkoholmoleküle.

Wir wissen, in unserem alten Geburtsort gibt es jetzt einen König. Er hat sich gefunden. Dieser König sind wir. Gerade heute haben wir soeben davon erfahren.

228. VON KARTOFFELN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 31. Oktober 2022

Es gibt ein wunderliches Festmahl.

Vorab: Kartoffelsuppe. Erstes Gericht: von Kartoffeln. Zweites Gericht: von Kartoffeln. Drittes Gericht: von Kartoffeln. Nachtisch: von Kartoffeln. Schnaps: von Kartoffeln.

Verschiedenen Gästen wird es unwohl.

Der Dorfarzt verabreicht ihnen eine Medizin von Kartoffeln, die günstig auf Magen und Darm wirkt.

227. DOPPELKINNE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 24. Oktober 2022

Samstagabend in unserer Stammkneipe: die Aldi-Unterwäsche überirdisch frisch und der Geldsack prall gefüllt, allenthalben um uns hübsche Blondinen.

Unsere Doppelkinne quellen in freundlicher Lebensbejahung aus, unsere breiten Wammen geben sich gravitätisch. Wir sehen aus, als hätten wir ein Ziel. Und Ohrringe haben wir auch schon. Alles in Ordnung.

Nachdem wir völlig unbefangen, einen tiefen Einblick in die vollbusigen inneren Angelegenheiten einer jenen Blondinen gewagt haben, fangen wir einige sehr unangenehme Fußtritte ein.

Seit diesem Erlebnis haben wir den Radius unseres Geistes ins Unendliche nach Raum und Zeit verlängert und philosophieren häufig darüber, wie die Blödheit in die Welt gekommen ist.

226. Gehorchen und Davonlaufen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 17. Oktober 2022

So wie wir darauf bestehen, unsere Schandtaten fortzusetzen, überlassen wir beharrlich weiter die Vergebung dafür einer allwissenden Vorsehung.

Wir sind erfahren im Gehorchen und Davonlaufen und hindern uns dabei nicht nur nicht, sondern helfen uns sogar ab und zu.

Eigentlich sind wir gute Menschen, verstehen es auch nicht besser.

Ora pro nobis: wir sind nur Namenlose, deren Tagebücher niemand fürchten muß.

225. DAHEIM

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 10. Oktober 2022

Mit 67 Minuten Verspätung speit die Regionalbahn unser vom Arbeiten erschöpftes  Rippen- und  Knochengewerk abends auf den Bahnhof unseres Heimatdorfes aus.

Daheim angekommen fällt aus finsterem Gewölk ein kaltes Licht auf uns: der Bewegungsmelder der Außenlaterne hat uns registriert.

Im Briefkasten finden wir einen Bescheid des Standesamtes, daß es uns als Junggeselle noch immer gibt.

Das ist so ein Tag, an dem die ununterbrochene Kette von Unglückseligkeit und Bedrückung, der jäher Wechsel von Drangsal und Schicksalsschlägen, einen wünschen läßt, andere Leute für sich essen, trinken, reden, leben zu lassen und einem nichts so erstrebenswert scheint, als eine Statue zu gleichen.

224. ZU UNRUHIG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 3. Oktober 2022

Mitternacht in unserer Lieblingsspelunke.

Wir, die halbtoten Besoffenen, kommen wieder hervorgekrochen, die gänzlich Toten richten sich aber nicht weniger auf. 

Bei einem vorletzten Bierchen erklären wir dem Wirt, uns das Trinken abgewöhnen zu wollen. Des schlechten Biergeschmacks wegen.

Scheitern aber bereits nach dem dritten Bier. Zu unruhig ist unser Leben. Unmöglich das brüllende Gelächter des Wirtes zu überhören.

223. Dicke Hummeln

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 26. September 2022

Wir sind Söhnchen reicher Eltern und hängen oben, wie dicke Hummeln an einem Grashalm.

Wir sind so herrlich dumm.

Was müssen wir auch vom Leben verstehen?

Wir wollen nur Künstler in der Wollust des Vollrundlichens sein. Nicht mehr, nicht weniger.

222. Unsere Brieftasche

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 19. September 2022

Der Schreibtisch singt mit wollüstigem Grauen die Schauer von mehr als tausendjährigem Chaos in unseren finsteren Büroraum hinein, ein Blick in unsere Brieftasche dagegen wird mit dem Chorus eines abgrundtiefen, leeren Schmerzensrufes beantwortet.

Diese Mängel versuchen wir aus der Phantasie zu beseitigen und versüßen uns das Leben mit der Vorstellung, wir seien Vorstandvorsitzender unseres Ladens.

Abends können wir uns nicht erinnern, was am heutigen Arbeitstag geschehen ist.

Aber irgendwie muß er wohl zu Ende gegangen sein.

221. Wortlose, diskrete Verständigung

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 12. September 2022

Wir finden es wohltuend, uns mit Kollegen zu unterhalten, die schweigen können, ohne dabei verletzend zu sein, die es verstehen, auf uns einzugehen, in wortloser, diskreter Verständigung.

Aus diesem Reichtum schaffen wir bejahende Werte.

Und unsere Seele wird dabei reicher um schöne Ideen. Zum Beispiel, daß uns eine substantielle Gehaltserhöhung zusteht.

Leider gehört der Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich nicht zu den Kollegen, die schweigen können. Denn, schon nach unseren ersten, rudimentären Andeutungen, tut er seine gehaltserhöhungsfeindliche Gesinnung durch ein barsches “Nein!” Kund.

220. GEHEIMNISVOLL

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 5. September 2022

Er ist Gesamtspartenleiter  für den nicht-operativen Bereich eines Weltkonzerns.

Er spricht nur selten, dafür aber laut und hat eine geheimnisvolle Aufgabe.

Er steht meistens in seinem Büro rum, eine Teetasse in der Hand und die Gedanken bei den Tantiemen. Aus seinen verworrenen Überlegungen weckt ihn abends die zarte Berührung irgendeiner Putzfrauenhand.

Er hat es auch nicht leicht.

219. RETTUNGSPLAN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 29. August 2022

Wir möchten unser Unternehmen vor dem Untergang retten.

Schon vor 26 Jahren haben wir insgeheim den Entwurf eines umfassenden Rettungsplans in Angriff genommen.

Gerade wo unsere Bestrebungen im Begriff sind, den Plan zur Vollendung zu bringen, gibt die Geschäftsführung bekannt, zwecks Rettung des Unternehmens einen Kostensenkungsprogramm durchführen und uns in die Frührente schicken zu wollen.

Es gibt schon Zufälle: gerade letztere Maßnahme ist ein Bestandteil auch unseres Plans. Egal, unser Ziel haben wir erreicht.

218. Eintagsrevolutionäre

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 22. August 2022

Wir möchten den Arbeitsschmerz, der uns quält, erwürgen. Abends in unserer Stammkneipe sind wir immer fröhlich, wenn wir bei vollen Bechern sitzen. Bis tief in der Nacht währt unser lärmendes Gelage, wobei unsere Grundstimmung sich mächtig hebt.

Wir, die solange nur die anderen sprechen ließen, arbeiten jetzt allein mit der Faust. Am nächsten Morgen lagert der Zorn noch auf unseren derben Zügen. Auf der Arbeit angekommen, machen wir gleich Rabatz.

Da schreitet, wie gewohnt, der Vorgesetzter ein und sagt uns: „Ihr wagt mir Bedingungen zu setzen, mir, Euer Vorgesetzter?“ Drohend erhebt er die Hand. „Laß die Possen, Ihr Eintagsrevolutionäre. Vergißt Ihr eure Ohnmacht, so muß man euch dran mahnen. Ihr könnt euch hier doch nur halten, solange ich euch zu halten, bereit bin.“

Und schon fühlen wir, wie der Mut unserem zagen Herzen entrinnt. Mit voller Wucht ergreift der Arbeitsschmerz erneut Besitz von uns. Diesen Abend werden wir ihnen aber erneut erwürgen. Sicher wissen.

217. TROTTEL

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 15. August 2022

Oft versagt unser Gedächtnis, wenn wir einen Vorteil darin sehen, gedächtnislos zu sein.

Immer voller Zorn sind wir, äußern ihn aber nicht.

Wir können uns außerordentlich würdevoll beleidigt umdrehen.

Und wenn wir uns über unsere Unfähigkeit besonders ärgern, titulieren wir uns selbst als Trottel.

216. BÜROKLEIDERSCHRANK

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 8. August 2022

Der Winzling eines Spartenleiters für Personal und Sonstige Probleme erscheint noch kleiner als sonst, gleichsam geschrumpft, wenn wir das Gespräch auf das Thema Gehaltserhöhung lenken.

Lieber würde er in seinem Büro alleine herum sitzen und Reisekostenabrechnungen prüfen.

Unsere dumpfe Anhänglichkeit läßt ihn erschüttert vor dem Abgrund seines Schicksals, Entscheidungen treffen zu müssen, stehen.

Mit bewegten Gesichtszügen teilt er uns endlich mit, die Beantwortung unserer Frage glücklicheren Nachfolgern überlassen zu wollen, worauf er sich umgehend in seinem Bürokleiderschrank zurückzieht.

215. POMMES MIT MAYO

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 1. August 2022

In unserer Lieblingsimbissbude duftet es nach Pommes mit Mayo.

Oder ähnlich.

Das  allein gibt uns das Gefühl, bereits satt zu sein.

Wir würden die Stammgäste für Fresser halten, würde nicht auch unser Durst zum hinunterwürgen in gleichem Maße wie ihre Lust am Fressen von Minute zu Minute größer werden.

214. Glückliche ZUFÄLLE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 25. Juli 2022

Obwohl die glücklichen Zufälle nicht gerade die Besonderheit unseres Daseins sind, sind wir nur Belgier.

Wenigstens, soviel wir wissen.

Unser Appetit auf Gouda, extra alt und extra günstig bei Aldi erworben, bietet uns aber schon Anlaß zur Sorge.

In schlimmen Stunden quält uns der Gedanke, wir leben das Leben eines anderen.

213. SCHLUCHZEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 18. Juli 2022

Wir, Männer, werden für dumm gehalten.

Wie roh doch Frauen sind.

„Mutter“, schluchzen wir.

Und die Heulerei geht weiter. Wir heulen laut und verächtlich, unnahbar.

212. LENKRAD

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 11. Juli 2022

Wie üblich hat das Bier in unserer Stammkneipe die ganze Nacht wieder einmal freimutig die Runde gemacht. Alles was noch leben will, trägt Spuren verzweifelten Daseinskampfes und möchte endlich nach Hause. Die Aussicht, daß man sich einige, wer die Gewalt über das Lenkrad übernimmt, ist gering.

Eingehen auf alle einzelnen Behauptungen unserer Saufkumpane, die wir nicht für richtig halten, ersparen wir uns. Wer seinen eigenen Weg gehend, die Wege anderer für irrig hält, braucht nicht jeden Fehlschritt, den jene tun, besonders hervorzuheben. Natürlich übernehmen wir das Lenkrad.

Im dichten Nebel machen wir uns mit rasender Geschwindigkeit auf dem Heimweg. Die vorhin größten Redner und Ratgeber halten sich so lange versteckt, bis andere durch Gottes Hilfe Rat gefunden haben, da sie denn auch anfangen, den anderen Mitfahrenden weidlich Mut zuzusprechen, obgleich sie selbst vor Herzhaftigkeit so bleich wie Leichen sind.

Die Stimmung auf den hinteren Sitzen beginnt sich wieder zu heben, man benachrichtigt uns, daß wir die Gefahrenzone hinter uns haben. Wir haben aber nichts davon bemerkt – wohl des dichten Nebels wegen.

211. Begeisterte Liebeserklärungen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 4. Juli 2022

Wir, Intellektuelle, wollen uns verlieben und betäuben uns in einem Wirbel des Leichtsinns. Die Klarheit unseres Denkens wird schwankend und die Umrisse der gelehrsamkeitstriefenden Buchseiten verschwimmen.

Allabendlich begeben wir uns auf die Suche in die Dorfskneipe. Es gibt Erhitztheit, Getue und lebhaftes Hinundher. Wir singen lauthals das jubelnde Hohelied der Liebe. Aber die vollwertigen Vertreterinnen des erblühten Frauentums wollen sich uns nicht zeigen.

Und dann, auf dem Heimweg, niedergeschlagen nach einer erneuten ergebnislosen Kneipennacht, sehen wir sie auf der andere Straßenseite: Was für ein Mädchen! Ein prachtvolles Mädchen!Wir fühlen, wie wir im ganzen Körper raumvoller werden und empfinden eine Beziehung zwischen der Aufhellung in unserem Innern und dem monddurchblendeten Nachthimmel. Triumph und Jubel erzeugen eine Erhitzung in unserem Körper, der uns bis über den schon erste Zeichen von Kahlheit zeigenden Kopf in wollüstiger Wärme mit offenen Munde da stehen läßt. Wir verfallen in Gestammel begeisterter Liebeserklärungen und dann… plötzlich ist sie weg. Verschwunden.

Wir wissen jetzt, daß wir zu den Geschöpfen gehören, die es sich zur Regel machen, sich so unbrauchbar und dumm wie möglich anzustellen und verbringen den Rest unserer Tage in selbstgewählter Einsamkeit und mit dem ständigen bitteren Zug um den Mund.

210. WUNDERGLÄUBIG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. Juni 2022

Lang genug hat der Spartenleiter für Personal und Sonstige Probleme sich von der Vorstellung leiten lassen, wir seien zur Gehaltserhöhung nicht befähigt.

Dieser Irrtum hat er heute wohl erkannt, seine Wirkungen jedoch noch immer nicht beseitigt.

Wir bedauern dies außerordentlich.

Nicht so sehr, weil wir daraus erkennen müßten, dass die Mühe, die wir uns gegeben haben, um die sachliche Unmöglichkeit seiner Vorstellung nachzuweisen, ihren Eindruck auf ihn verfehlt hat, sondern weil es uns peinlich wäre, uns mit dem Gedanken abzufinden, dass ein ausgezeichneter Analytiker, der sich noch vor einigen Tagen bei einigen Bierchen zuviel auf dem Betriebsfest über das prinzipielle Recht auf eine Gehaltserhöhung so meisterhaft überzeugend ausgelassen hat, gegenüber Forderungen und Tatsachen aus dem realen Dasein, so – wir können es nicht anders nennen – wundergläubig sein sollte.

209. LEBENSART

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 20. Juni 2022

Freitagabend in unserer Dorfskneipe.

Das Essen ist preisgünstig, dafür entsetzlich. Von den faulen Kellnern werden aus Flaschen Soßen auf verdorbene Speisen geschüttet, die darauf von uns mit unbewegter Miene verschlungen werden.

In durstigem Irrsein verschlingen wir hinterher Unmengen Bier. Und das, wobei dessen Geschmack nicht gerade anziehend ist.

Wir sind mutige Männer mit harter Leber und hoffen, dass unsere Lebensart vom lieben Gott würdig befunden wird, vor dem Schicksal bewahrt zu bleiben.

208. SCHÖNE LIEDER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. Juni 2022

Wir haben oft  soviel Freude, man kann sich uns nur gesellig denken.

Dennoch, wir haben eine ebenso gute Stimme, um schöne Lieder zu singen als zum Zanken.

Wir sind zornig und grausam, und nicht leicht zu besänftigen.

Unser Charakter ist unser Schicksal.

207. FÜRS GRUNDSÄTZLICHE GEBOREN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6. Juni 2022

Wir stehen an Fleiß und Ausdauer in Bezug auf wirtschaftliche Unternehmungen den anderen nach.

Dagegen sind unsere moralischen Ansprüche an ihnen ungleich höher als ihrigen an uns.

Wir sind wohl eher fürs Grundsätzliche geboren.

Schon drängt man uns, in die Umweltpolitik zu gehen.

206. STIMME

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 30. Mai 2022

In einem Billardlokal in unserem Geburtsort  gibt es eine Art Konzert.

Eine Dame macht den Anfang mit einer Volksmusikantentruppe und ihrer Stimme.

Der Gesang gipfelt in ein bellendes Gebrüll und die knarrende und unharmonische Begleitung nimmt die Stelle melodischer und anmutiger Töne ein, die schmerzlich zu vermissen die Ohren allen Grund haben.

Unsere Nerven sind zum Zerreißen angespannt. Wir nehmen die Entscheidung noch in derselben Nacht nach Zaandam auszuwandern.

205. HEIRATSANGELEGENHEITEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 23. Mai 2022

Wir haben die Fähigkeit, einen Fisch aus dem Wasser zu schwätzen, es fehlt uns nur an Ideen.

Vor diesem Hintergrund, nehmen wir die schicksalsträchtige Entscheidung, Schriftsteller werden zu wollen. Unsere unbändige, zum Äußerten entschlossenen Gemütsart treibt uns in sämtliche Kneipen unseres Wohnortes, da wir hier am leichtesten einen geeigneten Stoff für unsere weltliterarische Ambitionen vorzufinden glauben.

Zu unserem Unglück werden wir eines Tages, nach einem lockeren Gedankenaustausch mit einigen Vertreterinnen des wilden Geschlechts, die sich wegen der Vollkraft des Wuchses ihrer üppigen Angelegenheiten bei der ländlichen Junggesellenbevölkerung einen sagenhaften Ruf erarbeitet haben, in Heiratsangelegenheiten verstrickt.

Da haben wir den Stoff, sogar bis ans Ende unserer Tage.

204. HUNDE SEID IHR

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. Mai 2022

Riesige grauborstige Wolfshunde schießen mit wütendem Gebell herbei und scheinen ohne weiteres uns an die Gurgel springen zu wollen.

Im tiefsten Zorneszwang rufen wir noch: „Hunde seid Ihr. Abhauen und wir bieten euch volles Vergessen eurer Schuld und wollen euch milde Herrscher sein.

Zu spät.

Mit schwerkrachenden Sohlen entfernen wir uns eilfertig und machen es uns in unserer Dachstube mit Champagner gemütlich. Streunt ruhig weiter herrenlos herum, Ihr Scheißköter, das habt Ihr nun davon.

203. EHRLICHE ÜBERZEUGUNG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 9. Mai 2022

Wir sind der ehrlichen Überzeugung: “Lieber ein Bierchen zu viel, als einen Hagebuttentee zu wenig.”

Das bringt mit sich mit, dass es ebenso ungerecht wäre, zu behaupten wir seien ständig betrunken, wie es vermessen wäre, uns nüchtern zu nennen.

Der feinfühlige Wirt unserer Stamkneipe pflichtet uns bei und lobt unsere Schlußfolgerung als Virtuosenstück positiver Kneipendialektik.

Darauf trinken wir gemeinsam noch einmal ein Bierchen zu viel und einen Hagebuttentee zu wenig.

202. BEFREIENDES GEWITTER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. Mai 2022

An einem trüben Herbsttag laden wir unseren zukünftigen Schwiegervater in unsere Junggesellenbude ein. Nachdem wir ihn ausreichend mit Zigarren und Himbeerlikör versorgt haben, ergreifen wir das Wort: „Lieber Herr, Noch-nicht-Schwiegervater, wir haben Grund, Sie zur hiesigen Veranstaltung einzuladen. Dieser Akt wird wie der erste Donnerschlag sein, der ein lang brütendes und befreiendes Gewitter entfesselt.“

Der Alte schweigt. Aber sein Mißtrauen schweigt nicht, denn er fährt fort, zu schweigen. Er mißt uns dabei mit kalten Blicken.

Wir fahren fort: „Wir sind gekommen, Sie zu retten und zu entführen aus dieser schwülen Luft, aus dieser Welt von Falschheit und Lüge. Sie sollen alles wissen, was niemand weiß, außer uns.“

„ Wir mögen Sie nicht. Aber nehmen Sie es, bitte, nicht persönlich.“

201. GEGENVORSCHLAG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 25. April 2022

In diesen schwierigen Zeiten haben wir erkannt, daß unsere Pflicht gebietet, dem Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich konstruktive Vorschläge zum Wohle unseres Weltkonzerns zu machen.

Wir bieten an, zwecks persönlicher Motivationssteigerung eine Gehaltserhöhung akzeptieren zu wollen.

Der Gesamtspartenleiter, offensichtlich von früher Kindheit an bösartigen Charakters, wobei er überdies wahrscheinlich noch einen schlechten Erzieher, von nicht geringer Verderbtheit als er selbst, gehabt hat, macht sich uns durch seinen unanständigen Gegenvorschlag –längere Arbeitszeit und gesteigerte Arbeitsleistung für weniger Geld- unangenehm bemerkbar.

Seine Tage sind gezählt, aber er weiß es noch nicht. Macht ist ohne Vernunft. Sie vollzieht sich, bis eine andere stärker wird. Wir haben viel Zeit, wir.

200. PECHSTREIFEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 18. April 2022

Wie gewohnt tut das fröhlich summende unterdimensionierte Dieselmotorchen unseres Untermittelklassendienstwägelchens sein Mögliches, uns zum nächsten neuen Kunden zu bringen.

Die verhängnisvolle Logik der Dinge liegt noch außer unserer Erfahrung. Sie kann übermächtig werden, wie das plötzlich einsetzende Jaulen uns zur Kenntnis gibt.

Auf dem Pechstreifen zeigt unser Dieselmotorchen, dass es nicht weiter Tragbalken unseres ROI’s sein will.

Dieses Geschehen trägt schon dunkel unsere Zukunft mitsamt unseren finanziellen Notständen in sich. Ein Zug von tiefer Resignation vor der steigenden Wahrscheinlichkeit dieses Jahr, keine ROI-bedingte Tantiemen zu beziehen, bahnt dem Gedanken an die Frührente vor.

199. ABSATZMITTELFRISTPROGNOSEKRISENGESPRÄCH

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 11. April 2022

Absatzmittelfristprognosekrisengespräch an irgendeinem undeutlichen winterlichen Mittwochfrühabend im bereits in tiefer  Finsternis gehüllten zweiten Obergeschoß in der Zentrale eines Weltkonzerns.

Im Dämmerschein einer einsamen und verlassenen, alten 25 W Deckenlampe begegnen sich im Besprechungsraum besorgte Blicke: der ROI ist im Absacken begriffen.

Der Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich weiß kaum wohin er seine rundliche Körperfülle zu erst drehen sollte, so wirbeln alle um ihn her. Verwegen Rat zu geben ist er sehr begierig, aber bei ereigneter Not ist er ohne Entschließung und Gedanken, er klagt nur und sucht sich zu verbergen. Er quält sich auszudenken, wie er diesen Abend überstehen wird. Eine tiefe seelische Ermüdung befällt ihn. Als plötzlich die Deckenlampe ihren mickrigen Geist aufgibt.

Als die ersten tastend ihren Weg aus dem finsteren Besprechungsraum  nach draußen finden, ist der  Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich schon längst bei Tempo 200 mit dem Dienstwagen der abgehobenen Mittelklasse auf dem Heimweg. Und er denkt sich: So kann das nicht mehr weiter gehen; ab Morgen, werde ich mich selbst nur noch stellvertretend wahrnehmen.

198. FREIMUT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 4. April 2022

– „Höre, was wir Euch warnend weissagen.“

– „Dieser Freimut ehrt Euch.“

– „Aber wir haben noch gar nichts warnend weisgesagt.“

– „Eben.“

197. GUTE LAUNE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 28. März 2022

WDR4 verbreitet wieder einmal mächtig gute Laune.

Wir fühlen, wie die letzte Kraft, die wir so dringend für den unerbärmlichen Kampf um unser Dasein brauchen, uns verläßt.

Da hilft es nur, in den getunten Golf einzusteigen und ein Stündchen Geisterfahren zu fahren auf dem Kirmesplatz in unserem Geburtsort.

Bis wir schließlich wieder unseren geistigen Raum über die gute Laune hinaus erweitert haben und zu neuen Kräften und Beweggründen des Handelns gelangen.

196. EMPFINDLICHE KÖRPERTEILE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 21. März 2022

In unserer Lieblingsspelunke bieten sich recht ungetrübte Einblicke in die Tiefen der üppigen Angelegenheiten der thekenhängenden blondinenartigen Vertreterinnen des wilden Geschlechts.

Wie wollen wir heraus bekommen, ob die verwirrenden Befunden unserer Beobachtungen ausreichend Anlaß für Gesprächsanbahnungen mit den betroffenen bieten?

Wir wenden dieser Frage unser heißes Bemühen zu und bitten würdevoll den Oberwirt diesbezüglich um ein vertrauliches Gespräch.

Nach Zielsetzung und Methode ein ziemlich schwankendes Unternehmen, wie sein aufbrüllendes Lachen und anschließend die eindringlichen Fußtritte der Blondinen in sämtlichen unserer äußerst empfindlichen Körperteilen uns lehren.

195. TRAURIG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 14. März 2022

Wir haben so eine dunkle Vorahnung, dass unser aufwendiger Lebensstil uns irgendwann mal  veranlassen wird, uns in die Notwendigkeit versetzt zu sehen zu glauben, unsere Existenz durch Tätigkeiten die mit Arbeit zu tun haben, abzusichern.

An sich haben wir keine grundsätzlichen Einwände gegen den Fleiß als seelische Triebfeder des Handelns, wir wollen ihn aber nicht zum letzten Wertmaßstab machen.

Ruhe und Besonnenheit, diese anhänglichen und wortlosen Gefährten unserer Jugendzeit, sollen uns weiterhin auf unserem Lebensweg begleiten.

Dies alles stimmt uns nachdenklich und traurig. Igendwie fühlen wir uns jetzt schon für künftige Taten verdorben.

194. EINIGE GRÜNSCHNÄBEL

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 7. März 2022

Es ist ein mörderischer Tag.

In unserer Lieblingsspelunke, wo es wieder einmal vor Rührigkeit wimmelt und alles durcheinander rieselt, wie der Sand in einer sich drehenden Trommel, reicht der Oberwirt nicht mehr hin, die wilde Besucherschar im Zaum zu halten. Einige Grünschnäbel wollen gefährlich scheinen und brüllen, sie werden uns alle töten.

Da fühlen wir uns zu einer Herrenrolle in dem Treiben bestimmt. Wir brechen nicht sogleich los, sondern malmen eine Weile mit den Lippen, als müßten wir vor unserer Angriffsrede die Sprechwerkzeuge erst in Ordnung bringen. Unser Blick während dieser Pause liegt aber voll lauernder Drohung. Schließlich sagen wir: “wir sehen nicht die Notwendigkeit Eures Ansinnen ein.”

Die Grünschnäbel sind so geschmackvoll, nicht weiter darauf zu bestehen und stürzen entgeistert nach draußen. Uns ist zur Ohre gekommen, daß sie seit diesem Vorfall häufig in Seniorenheimen anzutreffen sind und dort ehrenamtlich geistliche Lieder vorsingen.

193. WUNDERBAR

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 28. Februar 2022

Wir sind reiche Erben und stehen einen großen Betrieb vor, der uns nicht sehr anstrengt.

Wir haben viel Verkehr mit Geschäftsfreunden, dazu eine hübsche und nette Ehefrau aus einem sehr wohlhabenden Haus.

Überdies leiden wir nicht an anspruchsvollen Passionen. Nur eine einzige Freundin haben wir. Wir lieben unsere Sittiche und Bonsais und präludieren gerne Kirchenlieder auf der Heimorgel.

Das Leben ist doch wunderbar, nicht wahr.

192. NASENRÄNDCHEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 21. Februar 2022

Was für ein schönes Mädchen. Und wild wie ein Vogel.

Sie sagt, wir sollten sie mal besuchen.

Wir säuseln „Ja, wir sollten sie mal besuchen” und lachen rau auf.

Wir ärgern uns über unsere Stimme und werden ganz lila, nur das Nasenrändchen bleibt weiß.

191. VORURTEILE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 14. Februar 2022

Als aufstrebende Volksmusikantentruppe versuchen wir durch zahllose Auftritte auf uns aufmerksam zu machen.

Das Nichterscheinen des Publikums ist jedoch jedes Mal keineswegs gering.

Wir denken: es sind die Vorurteile, weil man uns schon kennt.

Neuerdings haben wir entschieden, uns in Usbekistan zu versuchen. Wir hoffen, hier kennt man uns noch nicht.

190. ENERGIE DES LEBENS

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 7. Februar 2022

Als Frührentner sind wir gereift, ruhiger geworden, abgeklärt.

Die Lohnsklaverei war nur Vorbereitung zum Leben.

Wir werfen sie entschlossen hinter uns. Vor allem: fort mit der ewigen Rechtfertigerei. Wir verachten sie jetzt in moralischer Vollkraft. Wir raffen uns selbst. Welche Energie des Lebens.

Jetzt gilt es nur noch Lotto-Millionär zu werden.

189. DAS LEBEN WILL GELACHT SEIN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 31. Januar 2022

Wir haben einen Wall von Heiterkeit um uns errichtet und wollen uns nicht daraus hervorlocken lassen.

Wir lachen wild und höhnerisch, jählings aufbrüllend; auf unserem Hinterkopf breitet sich ein Haarschopf struppig nach allen Seiten aus, ein dunkler Bart hängt von unserem Kinn.

Ab und zu entfalten wir eine ungeheure Geistestätigkeit, indem wir uns lachend darüber streiten, wen wir jetzt totschlagen sollen. Das endet immer damit, daß wir trotz mahnenden Worten von jedem einzelnen von uns, uns schließlich lachend gegenseitig tot zu schlagen beginnen.

Als wir alle elend daniederliegen, lachen wir: das Leben will gelacht sein, und je gefährlicher es ist, desto heiterer ist es.

188. BELEBENDE RHYTHMEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 24. Januar 2022

Die belebenden Rhythmen auf dem heimatlichen Schlagerfestival sind von zwingender Kraft.

Alles ist von den Wogen einer flutenden Übersinnlichkeit getragen.

Die geräuschvollen, synkopierten Töne gellen in unseren Ohren und schwingen zitternd in den angespannten Nerven unseres Hinterns weiter.

Uns wird jetzt bewußt: wir sind von dem Geiste der Auswanderungslust erfüllte Männer.

187. AUF DEN HEIMWEG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 17. Januar 2022

Das Bier in unserer Dorfskneipe ist ziemlich brackisch und dessen Wirkung heimtückisch.

Andererseits, wir schlagen auch nicht gern ab. Immer meinen wir ein vorletztes Bierchen noch wohl verschmerzen zu können.

Plötzlich: es stellt sich Tiefsinn ein. Wir stürzen uns auf den Heimweg, merken aber bald, dass wir über die Entfernung unseres Heims falsch unterrichtet sein müssen, denn es will sich nicht zeigen. Ganz anders unsere Dorfskneipe, die wir ohne Schwierigkeiten wiederfinden.

Die Zurückgebliebenen kreischen vor Begeisterung und rechnen schon die verschiedenen Bierchen zusammen, die es zur Feier unserer wunderbaren Rettung zu vertilgen gibt. Wir haben so das unbestimmte Gefühl, dass wir unser Heim nicht so schnell mehr wiedersehen werden.

239. Kohlenhändler

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. Januar 2023

New Economisterchen und Investment Bänkerchen fragen uns, wie es denn dem Kohlenhändler im Zeitalter der Globalisierung und der Telekommunikation so geht.

Schwärzer denn je färbt sich unsere Seele.

Durch die Mitteilung, daß wir beabsichtigen, die Merkmale ihrer dünnen Persönlichkeiten in einer 1-spaltigen und 1-zeiligen Excel-Tabelle zusammen zu fassen, schlagen wir ihnen den Knüppel der Erkenntnis, tief in die Schädel, daß sie taumeln. Da findet das Lachen prompt ein Ende.

Die Jüngelchen … jetzt liegen sie da: niedergestürzt von der höchsten Stufe irdischer Herrlichkeit. Noch nicht einmal  Ihr eigener ROI kann sie zum MBO aufmuntern.

186. ZIELHAFTE KRAFT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 10. Januar 2022

Schon seit unserer Jugend versucht das Arbeitsamt, mit seinen Bemühungen uns in die Lohnsklaverei zu schicken, uns böswillig zu beunruhigen.

Vergeblich, denn wir sind der Überzeugung, dass entscheidend doch nicht die reine Leistung, nicht das Ergebnis oder Erzeugnis einer Tätigkeit, sondern die zielhafte Kraft, die für das Werden der Dinge oder ihrer Verwirklichung bestimmend ist.

Jede hervorragende Persönlichkeit hat eine ganz bestimmte Auffassung der metaphysischen Gründe des Weltgeschehens. Und dieser Auffassung entsprechend gestaltet sie ihr Leben.

Wir haben viel zielhafte Kraft, wir. Auf jedem Fall mehr als ausreichend, um jetzt schon als Frührentner unser weiteres Leben gestalten zu wollen.

185. DIE LOCKENDEN RUFE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 3. Januar 2022

Das Haus unserer zukünftigen Schwiegermutter wird durch einen übermächtigen Schäferhund bewacht, der nicht an die Kette liegt.

Wir erfahren es, als wir eines Abends einen Besuch abstatten wollen.

Der Köter tritt uns ohne zu bellen, kampffertig in den Weg und wir messen uns mit den Augen.

Wir beeilen uns dann doch lieber zu verschwinden und lassen uns nicht betören durch die lockenden Rufe aus dem schwiegermütterlichen Hause.

184. DIESBEZÜGLICH

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. Dezember  2021

Wir möchten eine Gehaltserhöhung.

Um eine ablehnende Entscheidung diesbezüglich zu entgehen, entscheiden wir uns keine Forderung diesbezüglich zu stellen.

Darauf trinken wir ein paar Bierchen zu viel.

Denn, das ist uns immer noch lieber als keine Gehaltserhöhung zu bekommen.

183. HOCH HINAUF

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 20. Dezember  2021

Als erfahrener Lotto-Spieler sind wir unermüdlich im Erdenken und Ausmalen aller weiteren Stufen unseres wirtschaftlichen Aufstiegs.

Denn wir sehen die Welt nicht anders, als eine Vielfalt von mehr oder weniger gefährlichen und steilen, mehr oder minder hoch ins Ungewisse reichenden Stufenleitern, eigens geschaffen, damit wir die höchste aussuchen, um an ihr so hoch hinauf zu klettern, wie unser gutes Glück eben tragen würde.

Und recht hoch soll es sein, das wissen wir schon seit frühester Kindheit. Dem strebenden Menschen wird vom Schicksal das geboten, was seinem Wesen entspricht und was er zu seiner Vervollkommung braucht.

Und dann der große Schlag: im Alter von 77 Jahren gewinnen wir 7,90 €. Aus der große Traum. Uns selbst überlassen, werden wir uns jetzt auf eigene Faust durchs Leben zu schlagen haben.

182. AUSWEG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. Dezember  2021

Auf unser klopfendes Befragen ergibt unsere Geldkassette eine hohle Antwort.

Wir zähmen unsere aufbegehrende Wut und überlegen.

Wie, wenn man weder die Gelegenheit zum Borgen, noch die Aussicht auf eine Erbschaft, noch die Absicht zu Stehlen, noch eine Gehaltserhöhung zu erwarten hat.

Dann gibt es nur noch einen Ausweg: es gilt in die Politik zu gehen.

181. MIT ROLLENDER LÖWENSTIMME

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6. Dezember  2021

Wir sehen ein schönes Mädchen auf der anderen Straßenseite promenieren.

Mit rollender Löwenstimme rufen wir sie zu, wir lieben sie.

Die Vorsicht haben wir längst aufgegeben. Wir leben in einer Zeit, wo man um jedes mögliche Wort, das man gesprochen oder auch nicht gesprochen hat, abgewiesen, gemobt oder zu Grunde gehen kann.

Da uns nun jedes Wort Unglück bringen kann, wollen wir wenigstens an solchen Worten zu Grunde gehen, die uns selbst gefallen.

180. WAS NOCH KEINE SCHANDE IST

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 29. November  2021

Da wir nicht gewohnt sind viel Aufwand zur körperlichen Reinheit zu betreiben, lässt sich vermuten, dass der eigene Gestank uns nicht stört. Was noch keine Schande ist.

Dennoch, wir bieten keinen sehr reizvollen Anblick. Wissen wir.

Nur durch regelmäßige Rasur gelingt es uns ein Aussehen zu erlangen, hinter dem jede Menge Frauen verborgene Reize entdecken können.

Wir hoffen, dass der Umstand, dass wir übermäßig nüchtern zu sein, nicht gerade als notwendige Tugend ansehen, dabei nicht hinderlich ist.

179. DIE KELLNER BEKOMMEN KEIN TRINKGELD

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 22. November  2021

Alle Welt will in unserer heimatlichen Lieblingsspelunke Gast sein; sich am Bier zu berauschen, gehört zum guten Ton.

Außerdem darf geprügelt werden; aber nur als Ausbruch der Lustigkeit, versteht sich.

Die Kellner bekommen kein Trinkgeld, auch Speisekarten gibt es nicht, dafür reichliche Portionen.

Vollwertige Vertreterinnen des erblühten Frauentums werden zu Bacchantinnen… die Unschuld flieht erschreckt, zahllose Babys lachen sich 9 Monate später ins Fäustchen.

178. BETONFEST

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 15. November  2021

Wir sind der langjährige stellvertretende Unterabteilungsleiter für Reklame und Sonstiges in einem Weltkonzern. Unser Blut ist stolz, will unbesiegbar sein. Und dann so was: man will uns in die Frührente schicken.

Aber soll man denn solche Überlegungen durch Entgegnung der Unbedeutsamkeit entreißen?

Nein, blitzschnell schlagen wir einen Mittelfristprognosesalto, machen den ROI-Hochstand – sich einzig auf dem Daumen der Kostensenkungspotentialen stützend -, wirbeln globalisierend in der Luft herum, witschen quick and dirty zwischen den Beinen des Gesamtspartenleiters für den nicht-operativen Bereich durch, schlagen eine Kerngeschäftsmühle.

Und sitzen plötzlich wieder betonfest auf unserem Posten. Wir überlassen dem Gesamtspartenleiter ruhig seinen Anfall von Selbstverspottung zu genießen.

177. SCHWINGUNGSWEITE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 08. November  2021

Auf zu neuen Kunden!

Wir unternehmen zum ersten Mal eine Dienstreise. Unser Arbeitstag hatte noch nie diese Schwingungsweite und so genießen wir den blitzenden Morgenhimmel, das ferne Ziel und all die abenteuerlichen Aussichten dieser Reise mit wahrhaft freibeuterischer Lust.

Der Motor unseres Dienstwagens der unteren Mittelklasse brüllt wie ein hungriger Löwe, er spuckt Öl und wütet. Und dann sowas: nach einer apokalyptischen Massenkarambolage muß es schließlich noch vor dem ersten Kundenbesuch komplett verbeult aus dem Straßenkampf abgeschleppt werden.

Ein trauriger Tag.

176. ANDEUTUNGEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 1. November  2021

Wir statten einen Besuch in einem jener gefürchteten Tanzlokale in der heimatlichen Tiefebene ab. Für uns, überzeugte Junggesellen, deren Bewegungsabläufe und Verneigungskünsten es an Schwung mangelt, ist Tanzen ein Greuel, aber hin und wieder muß man mal aus sich heraus.

Da haben wir es schon: unsere Tanzpartnerin macht Andeutungen, mit uns ins Gespräch kommen zu wollen. Bei Beleuchtung erweist sich diese Dame als gar nicht sehensunwert. Nicht ganz überraschend für uns, zeigt sich, dass uns die Gabe der Rede versagt ist und so lassen wir unsere Blicke ausweichend gen Himmel schweifen.

Schwer wächst das Schweigen. Der DJ erkennt die Lage und setzt zum Rappen ein. Vorbei mit den Gesprächsanbahnungen, unsere Tanzpartnerin scheint auf einmal am liebsten überhaupt keinen Gebrauch mehr von der deutschen, noch von einer sonstigen Sprache machen zu wollen. Ihre Ober- und Unterröcke rauschen wild, der viel zu tiefe Ausschnitt ihres zu engen Mieders zeigt blanke Ausgelassenheit.

Es beginnt eine Kette von Verwicklungen, deren Ende sich nicht absehen läßt. Wir können uns nicht daran erinnern, was weiter geschehen ist. Aber irgendwie muß der Abend wohl zu Ende gegangen sein, wie die Begebenheit, dass wir uns am nächsten morgen mit der zukünftigen Braut am schwiegermütterlichen  Frühstückstisch zusammenfinden, uns belehrt. Schwer wächst das Schweigen. Und kein DJ in der Nähe …

175. JEDERMANN HAT SEINEN PREIS

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 25. Oktober  2021

In der Erledigung schwebender Geschäfte greifen wir sicher zu.

Dabei macht sich unsere Zugänglichkeit für Bestechungen positiv bemerkbar.

Es ist nicht die niedrige und gemeine Liebe zum Geld, sondern unser Zynismus, der sich in diesem Zusammenhang als glücklich angeboren erweist.

Wir meinen: Jedermann hat seinen Preis.

174. EIN HERRLICHER ABEND

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 18. Oktober  2021

Abends auf der Außenterasse unserer Stammkneipe machen wir unfreiwillig die Bekanntschaft mit einigen Damen aus dem Heavy Beauty Bereich.

Ihr Verhalten liefert keinen Beitrag zur Erweiterung unseres geistigen, noch unseres körperlichen Horizontes.

Wir begießen unser Glück, gerade noch einmal davon gekommen zu sein, mit einigen Bierchen.

Es ist ein herrlicher Abend, den wir da vollbringen, die Blicke unbekümmert bald auf die Heavy Beauties, bald auf den schönen Himmel gerichtet.

173. VOM SCHICKSAL GEPACKT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 11. Oktober  2021

Eines Abends entscheiden wir, zwecks Hebung der Stimmung durch den Genuß von einigen Bierchen zu viel, uns in die Dorfskneipe zu begeben.

Nichts ahnend stehen wir schweigend an der Theke, wo sich schon etliche Bierchen zu viel bei uns eingefunden haben, als durch das plötzliche Eintreten einer leichtbekleideten, vollwertigen Vertreterin des erblühten Frauentums mächtig Unheil in unseren Herzen und Stretch-Hosen gestiftet wird.

Am nächsten Morgen finden wir uns schon am schwiegermütterlichen Frühstücktisch und essen dort Rührei mit Speck. 

So ist das Leben: eine winzige Unaufmerksamkeit und schon wird man vom Schicksal gepackt.

172. SCHLAGLÖCHER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 4. Oktober  2021

Unsere Autobahnen sind mit Schlaglöchern übersät.

Das Rütteln der Autos kann man sich nur vorstellen.

Denn beschreiben lässt es sich nicht.

Und überhaupt: uns scheinen hierzulande die Autobahnen als Mittel zur Raumüberwindung eher zufällig entstanden zu sein.

171. GEPLAUDER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. September  2021

Um das Gespräch mit unserem fremdländischen Gegenüber zu beleben, reichen wir Bier.

Und wir lassen es uns nicht nehmen, Bier zu reichen, so oft wir an die Reihe kommen.

Darauf bringen wir wohl eine Stunde mit Geplauder zu.

Doch wird auf beiden Seiten wenig verstanden.

169. SCHÖNE WEIHNACHTSLIEDER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. September  2021

Wir können den Gedanken, dass wir es eines Tages zu viel Geld bringen werden, nicht abwenden.

Wir beginnen schon im Voraus, jeden Tag etwas zuviel Geld auszugeben.

Bald tut unsere Geldkassette nach klopfendem Befragen durch eine hohle Antwort ihrer inneren Leere kund.

Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als nicht unendgeltlich alljährlich schöne Weihnachtslieder in der Fußgängerzone unseres Geburtsortes zu singen, sowie uns durch heimliches Kappen in den Dorfswäldern unentgeltlich alljährlich einen Weihnachtsbaum zu erwerben.

168. WIR LIEBEN SIE, SINGEN WIR

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6. September  2021

“Wir lieben Sie”, singen wir unserer Angebeteten freudig in unserem finsteren Garten, den der Gluthauch im Kugelgrill dumpf und unbestimmt erhellt, entgegen.

Wir präludieren ihr die schönsten Liebeslieder vor; es sind herrliche Stunden, die wir da gemeinsam verbringen.

Dann setzen wir zu einer in dem Augenblick geborenen Eigenkomposition  ” Komm lasset uns jetzt die Koteletts, Würstchen und den Speck auf den Grill schmeißen” an.

Und dann so was: der Grill ist aus.

167. DAS LEBEN IST NICHT MEHR SO SCHÖN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 30. August  2021

Wir sind Vorstandsvorsitzender eines Weltkonzerns; das Leben ist schön.

Außer uns selbst ist in unserem kahlen Büro nicht viel zu sehen. Nur noch Schreibtisch und Chefsessel.

Auch die noch überflüssig, weil wir uns in letzter Zeit zwecks Durchführung von Vorträgen über die Realisierung von Kostensenkungspotentialen überwiegend in Besprechungszimmern aufzuhalten pflegen.

Neuerdings verweilen wir wieder häufiger in unserem kahlen Büro, denn es gilt zunehmend Überlegungen anzustellen, wie die Aufforderungen des Aufsichtsrats zur Demission auszuweichen. Das Leben ist nicht mehr so schön.

166. BEGEISTERTE RADFAHRER UND BIERTRINKER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 23. August  2021

Als begeisterte Radfahrer und Biertrinker machen wir gerne das Umland unsicher.

Den einheimischen herumkriechenden Freunden des Radlersports weit voraus, reiten wir auf unserem holländischen Stahlross mit dem Sturmwind um die Wette. Weit im Winde flattern unsere langen, blonden Locken.

An der erstfolgenden Kneipe angekommen, springen wir sausend vom Sattel, zischen ein paar Bierchen, führen einen lockeren Gedankenaustausch mit den blondhaarigen Kneipenbesucherinnen, und schon geht’s weiter.

Vorwärts gebeugt treiben wir das schlammbespritzte Ross zu immer neuen Höchstleistungen und zur nächsten Kneipe.

165. SCHNARRENDE TROMPETENTÖNE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. August  2021

Der Vorstand läßt seine schnarrenden Trompetentöne der sich aus dem Globalisierungszwang erforderlichen Realisierung von Personalkostensenkungspotentialen erklingen. So, wie sie diese Forderung dastehen lassen als Gipfelung des Gedankens, der dem Ganzen zugrunde liegt, zugleich als herausfordernd kühnes Bild, rechnen sie auf sofortiges allgemeines Verständnis.

Wir, Belegschaftler, möchten dazu keine feigen Gedanken laut werden lassen:

„ Unverletzlich ist Eure Schlechtigkeit und groß wie der reine Wahnsinn. Alles Redensarten,  Phraseologie, hinter der sich schändliche Gedanken verbergen. Vier fünftel eures Gelabers frei erfunden, das letzte fünftel in der Schlußfolgerung gröblich entstellt. Ihr Shareholder Value-Kasper! „

Da steht der Vorstand, aufgeblasen und unerbittlich in die Gegenwart zurückgerufen. Fortwährend von uns umbrüllt, werden ihre Trompetentönen leiser. Schließlich beginnen sie über organisches Wachstum und Marktpotentiale zu faseln. Na Bitte, es geht doch. Und mehr Gehalt auch.

164. FLOWER POWER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 9. August  2021

Wer in unserer Lieblingsspelunke den höchsten Grad von Berauschtheit zeigt, wird besonders ausgezeichnet.

Ein guter Mensch kann nie genug Gutes tun, aber ein Bosewicht ist unersättlich im Schlechten.

Hoffentlich dauert unser Geschwätz nicht zu lange. Es wäre peinlich, wenn wir selbst einschliefen …

Jedoch auch der herbe Zug der neuen Zeit drängt sich allmählich in die stille Weltabgeschiedenheit unserer Heimat auf: wir gründen eine Flower Power – Arbeitsgruppe und sind mutig im Augzeigen von Standpunkten, wie wir uns in Bezug auf den Vietnamkrieg verhalten hätten.

163. UNRUHE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. August  2021

An irgendeinem spätsommerlichen Morgen stehen wir in unserem Garten und beobachten den Sonnenaufgang.

Da hören wir, wie die alte Nachbarin rechts und ihr Zwerg von Ehemann von ferne herankrachen und wie sie mit ihren hohen Fistelstimmen gellend unseren Namen rufen. Sie sind in sprühendester Laune. Insbesondere der alten Nachbarin sieht man ihrer mächtigen Vorderfront die Unruhe ihres Hirns an.

Wir entfernen uns, das Unsichtbare verwirrt.

Da sie ihre Launen nun nicht an uns auslassen können, streiten und zanken sie sich unentwegt untereinander. Wenn sie sich schließlich zurückziehen, sind sie sich wieder soweit einig darüber, dass sie uns am nächsten Tag erneut zur Rede stellen werden.

162. GEHEIME BUSSÜBUNGEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 26. Juli  2021

Die Worte der Schwiegermutter bringen heute mächtig Aufregung in unser Haus.

Sie sitzt morgens schon sehr zwiespältig da, als sie uns sagt: „Noch heute verspüre ich auf meinem Gesicht die Träne, die ich schon immer vergießen wollte. Wenn ich Euch brauche, entschuldigt Ihr Euch. In dieser Brutstätte von Verhöhnungen, denen ich dauernd  ausgesetzt bin, höre ich Euch nie das Hohelied des Geistes singen, als die vollendende Verheißung des klugen, kleinen Lernens, als die klärende Gewalt, als Trost und Zuflucht und Lebensmacht. Die Kräfte des Unermüdlichen in mir haben sich verzehrt.”

Ihre Worte klingen wie die Posaune des Weltgerichts. Uns steht das Entsetzen im Gesicht, wir sind entgeistert bei dem Gedanken, jählings mit unseren unrechten Werken vor den göttlichen Richter treten zu sollen.

Es befremdet uns zu sehen, dass unsere Ankündigung uns fortan täglich beim Morgengrauen in den Stadtpark zu begeben, um dort im chinesischen Pavillon zur Entsündigung geheime Bußübungen zu machen, sie nicht beruhigen kann. Sie sagt noch: ” Przwlt”, und überlässt sich seitdem schweigender Betrachtung.

161. DIE GRÜNLICHE FARBE SCHLECHTER PILZE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 19. Juli  2021

Mit der Wucht einer Streitaxt wollen wir fortdauernd das Böse zerschmettern.

Wir sind aber stets zu Begnadigung geneigt, wenn das Verbrechen zweifelhaft ist.

Und zu freigebiger Belohnung bereit, auch wenn die geleisteten Dienste nicht ganz erweislich sind.

Wir leben auf dunstender Erde und können in wenigen Stunden die grünliche Farbe schlechter Pilze annehmen.

160. BLUTNEBEL

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 12. Juli  2021

Stechend süß und betäubend steigen Blutnebel auf und ziehen durch die Nacht.

Den wilden Göttinnen verlangt es nach wilden Spielen.

Nackt steht die Zeit vor uns, von der wir wissen, dass sie keine glückliche sein wird.

Vorbei mit allegorischen Deutungen, jetzt werden wir in Angelegenheiten verwickelt.

159. LEERES ECHO

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 5. Juli  2021

Wir sind Kraftmenschen und Raufer, eckig, brüsk und bellend, wie Dorfshunde und wollen Karriere machen. Wir verkünden, daß wir rücksichtlos sind und sehr derb zufassen können. Jedoch es will nicht richtig.

Die Hast arbeiten zu müssen, weil die Lebenszeit nicht reichen würde, Angst, doch nie das Größte zu erreichen – das ist unser Leben.

Es macht uns dumpf, wir sind höchstens noch zeitweilig abgelenkt fröhlig.

Tagtäglich fühlen wir es, wie die Peitsche eines Dämons, der uns die Vergeblichkeit unseres Schaffens wieder und wieder zeigt. Mit finsterer Stirn und wildem Blick, mürrisch, gallig, mit dem ständigen bitteren Zug um den Mund brüllen wir in die Welt hinein und ernten nur das leere Echo.

158. VIELLEICHT GERADE DESWEGEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 28. Juni  2021

In unserer Stammkneipe

Ist alles betrunken

Außer den Gästen

Vielleicht gerade deswegen.

157. HALLO, IHR GUTENTAGSAGER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 21. Juni  2021

Hallo, Ihr Gutentagsager.

Seid Ihr da oder nicht?

Wenn Ihr da seid, schert Euch zum Teufel. Wenn Ihr nicht da seid, ist es auch gut.

Wir stehen in uns selbst, wir tragen uns selbst, wir sind in uns, nicht in einem andern.

156. ZAUNKÖNIG

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 14. Juni  2021

Kein Mensch, der sich ernsthaft mit dem Thema Gehaltserhöhungen beschäftigt, kommt an unserer Person vorbei.

Nur dieser Zaunkönig von Spartenleiter für Personal und Sonstige Probleme meint wohl feilschen zu müssen, um Dingen die ihm nicht gehören.

Wir schreien ihn nieder, als er vom Glück der Armen spricht.

Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich in seinen Bürokleiderschrank zurückzuziehen und in stiller Abgeschiedenheit den Verlauf der Dinge abzuwarten.

155. ERHABENE ZWIESPRACHE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 7. Juni  2021

Die erhabene Zwiesprache zwischen unserer Brieftasche und uns ist verstummt.

Denn unsere Brieftasche läßt die Sparsamkeitsflagge im Winde wehen und zeigt ein so leeres Aussehen, dass wir eher uns gezwungen sehen, Geld hineinzutun, als uns frei zu fühlen, Geld herauszunehmen.

Seitdem herrscht eine Zeit der Umwälzungen. Die für uns folgenschwer werden könnte, wie immer häufiger  unsere Hausbank verlauten läßt.

Dort redet man mit uns nur noch über dunkle Dinge, die mit  innerliche Scheu ablegen und dem Zeitmangel entgegenwirken beginnen und mit Angelegenheiten, die mit Arbeit zu tun haben, enden.

154. GLAUBEN SIE BLOß NICHT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 31. Mai 2021

Auf unseren täglichen Spaziergängen begegnen wir seit einigen Wochen häufig einer Dame. Es ist eine frische, junge Dame in blond, eine Alte wäre sicherlich schlimmer.

Aber auch wenn sie sich noch so sehr bemüht, jeglichem Gedankenaustausch mit uns diskret aus dem Wege zu gehen, wir bleiben hart, und sagen ihr jedes Mal: „Glauben Sie bloß nicht, Sie können uns einfangen.“

Wir, katholisch bis auf die Knochen, haben so unsere Erfahrungen und wissen, dass man sich diese Bräute nicht weit genug vom Leibe halten kann. Der Dorfspastor pflichtet uns übrigens bei und bestätigt, dass unsere Ansichten Erkenntnis verraten.

Eines Tages ist unsere junge Dame plötzlich nicht mehr da, wir begegnen ihr nie wieder. Komisch. Seitdem wissen wir nicht mehr wohin mit unserem Nichts und fühlen uns, als hätten wir alle Ursache, um die Zukunft besorgt zu sein.

153. SAGT SIE

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 24. Mai 2021

Sie sagt: Sie legt keinen Wert darauf, von uns verstanden zu werden.

Sie sagt eben, was sie denkt, sagt sie.

Und damit Schluß, sagt sie.

Damit wir Bescheid wissen, hat sie noch gesagt.

152. UNTERDIMENSIONIERT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 17. Mai 2021

Bei der wilden Hetzjagd nach immer neuen Kunden gibt eines Tages das überstrapazierte unterdimensionierte Dieselmotörchen unseres Untermittelklassendienstwägelchen seinen mickrigen Geist auf.

In der Reparaturwerkstatt äußern wir unseren Unmut über diese Angelegenheit und tragen ruhig und ernsthaft unsere Einsichten über die nachlassende Qualität als Auswirkung der Globalisierung vor.

Bei dem eilig darauf zur Verfügung gestellten Ersatzwagen mit dem guten Stern kommen wir uns als verehrungswürdige und fast erstaunliche Herren vor.

Unser Berufs- und Privatleben bekommt plötzlich Glanz. Zu schade, daß die globalisierungsbedingte kurze Reparaturarbeit diesem Glück vorzeitig ein Ende bereitete. Was hätte nicht alles aus uns werden können.

151. DER LINKE ZAPFHAHN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 10. Mai 2021

Der linke Zapfhahn in unserer Dorfskneipe bringt ein ziemlich klares Biergetränk hervor.

Wie nichts unglücklicher sein kann, als zu verdursten, so geht unsere ganze Sorge dahin, uns diesem harten Schicksal nicht auszusetzen.

Wir können also dieses Getränk, auch wenn man bei dessen Genuss dessen Geschmack nicht unbedingt zu Rate ziehen sollte, im Notfall recht gut trinken.

Dabei bringen wir auf unserem Gesicht möglichst viel edle Gesinnung zum Ausdruck.

150. SPECK, GÄNSEEIER UND ZITRONENGENEVER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 3. Mai 2021

Es ist schon traurig während eines Besuches der alten Heimat bei der Flußüberfahrt zum Geburtsort mit der Fähre Schiffbruch zu leiden, wo man als überzeugter Nichtschwimmer sich im nassen Element grundsätzlich nur nach dem festen Dasein sehnt.

Der genadenlose Fluß hat aber Erbarmen mit den Kindern aus dem von ihm zerklüfteten Nebelland und speit uns noch ziemlich lebendig ans Ufer aus.

Dort werden wir von einer alten Bauernfrau gefunden, die uns mit Speck, Gänseeier und Zitronengenever wieder auf die Beine bringt.

Wir fühlen, Heimat bleibt doch Heimat.