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40. FREUND FREDDY

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. März 2020

Unser Freund Freddy, der bewusst kinder- und kindergeldlose Splittungs-Ehegatte, ist heute unter Bereuung seiner Sünden in unseren Armen gestorben.

Freund Freddy hat allzeit gewünscht, nur deshalb viel zu besitzen, damit er reichlich verschenken könne.

So konnte Freund Freddy bisweilen sehr großzügig sein, wenn es um einkommenssteuerlich wirksame Spenden für das Verschenken von abgetragenen Schuhen an die von Sandflöhen geplagten männlichen Südpoleskimos ging.

Wir glauben aber nicht, dass man Freund Freddy sehr vermissen wird.

39. AUCH MAL

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 2. März 2020

Wir geben bekannt, wir möchten auch mal.

Die Weltgeschichte hält vor Schreck den Atem an.

38. INTELLEKTUALISTISCHE WÜHLARBEITEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 24. Februar 2020

Das Zusammenbrechen des ROI’s unseres Weltkonzerns ist ein Fall, der unser Wissen übersteigt.

Überhaupt kostet uns das Denken Mühe, was sollen wir uns mit intellektualistischen Wühlarbeiten aufhalten?

Nein, wir müssen mit schnellen Schritten weitereilen. Über die eigenen Besitzgrenzen hinauswachsen will der Mann mit dem gesunden Menschenverstand.

Wir wollen eine Gehaltserhöhung.

37. UMSTANDSMOMENT

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 24. Februar 2020

Wir leben in anhaltender Überspanntheit, unsere Gedanken jagen hinaus über das jetzige Umstandsmoment, unser Haarschopf flattert im Sturmeslauf, aus unseren Augen schlägt der Ingrimm in Flammen.

Unser Spezifikum vergletschert wie das Gebirgsmassiv, das zu hoch über die flachländische Tiefebene hinausragt.

36. BUSCHIGE AUGENBRAUEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 17. Februar 2020

Klein und schlau blinzeln unsere grünen Augen unter den buschigen Augenbrauen.

Wir erkennen immer sofort die Möglichkeit eines bequemen Raubes.

Was man von uns kauft, muss sogleich weggeräumt werden, da wir es sonst ohne Umstände wieder an uns nehmen.

Wir sind Männer der Geschäfte, kennen Ziel und Aufgabe. Noch lieber würden wir morden, was nicht einmal so weit aus unseren Gewohnheiten fallen würde.

35. PEITSCHENHIEBE

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 17. Februar 2020

Im Übermut unseres  wenig begründeten Selbstgefühls entscheiden wir, uns in ein einfaches, nettes, normales und natürliches Mädchen zwecks späterer Heirat verlieben zu wollen. Die Angst vor dem Versagen steht uns wie mit Peitschenhieben ins Gesicht geschrieben und treibt uns schließlich in die Arme eines schönen, lieben und reichen Mädchens.

Aus der Traum, alles umsonst.

34. KANINCHENZUCHT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 10. Februar 2020

Gerade haben wir durch den Abschluss eines außerordentlich lukrativen Geschäftes den ROI unseres Unternehmens gerettet.

Da kommt der aufstrebende Jungmanager zu uns und sagt: „Nimm meinen Dank. Euer Lohn wird nicht ausbleiben.“

Wir erwidern: „Unsere Taten belohnen sich selbst, junger Mann. Geh nun, schmücke Dich mit fremden Federn und bewege Dich laut raschelnd im dichten Unterholz Deines Beziehungsgeflechts.“ Unsere Worte gehören offensichtlich zu jenen Erlebnissen, welche die Empfindsamkeit der Seele tief bewegen und in der Erinnerung eines jungen Menschen unverlöschlich haften.

Denn unser aufstrebender Jungmanager entscheidet wenig später eine berufliche Neuherausforderung annehmen zu wollen, indem er den Vorsitz eines weltweit tätigen Interessenverbandes für die Kaninchenzucht übernimmt – immerhin mit 17 Mitgliedern.

33. UNGERN

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 10. Februar 2020

Wir arbeiten nicht ungern, leider noch weniger gern. “Zeit zu handeln” von Ulrich Wickert gekauft. 0,99 € zzgl. 3,00 € Versandkosten bei Ebay. Bereits dreimal angefangen es zu lesen.

Sind auf einem guten Weg. Arbeiten schon etwas weniger nicht gern, nicht ungern.

32. BLICK AUS DEM KÜCHENFENSTER

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 3. Februar 2020

In letzter Zeit sind aus dem Immobilienbesitz des Herrn Nachbarn bereits mehrfach Geräusche zu uns durchgedrungen, die durchaus als ein weibliches Lächeln interpretiert werden könnten.

Unsere Phantasie versagt, oder vielmehr sie wird ungesund. Wir erhalten zunehmend Grund zu schwerem Argwohn.

Wird der Herr Nachbar sich fortan den Lustbarkeiten hingeben? Wird er sich nicht mehr um die Pflege seines Gartens kümmern? Wird das Unkraut bald auch unseren Garten überwuchern?

Beim allmorgendlichen Blick aus dem Küchenfenster in unseren Garten martert uns eine innere Unruhe, die sich in tiefe Melancholie steigert.

31. ÜBERSCHWÄNGLICH

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 3. Februar 2020

Abends bedienen wir uns zum Besäufnis Biere, welche diese Bestimmung nur in sehr mangelhafter Weise erfüllen.

Unsere  Freude auf den nächsten Morgen, wo es eher gilt, nüchtern zu bleiben, ist immer recht überschwänglich.

30. ÜBERGEWALT

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von Carolus Borromeus aus “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 27. Januar 2020

In Vorahnung des Glanzes und der Übergewalt unseres Vorgesetzen, sind wir immer vor ihm gekrochen; unsere innere Landschaft zeigte sich winzig anmutend im Vergleich zu dem mächtigen Mann.

Sobald uns aber klar geworden ist, dass wir uns in seinem Erfolg getäuscht haben, würdigen wir ihn, um unseren Irrtum ordentlich quitt zu machen, keines Blickes mehr.

Ab und zu summen wir eine eigenwillige Version  des Welthits “Put your Hemd on your shoulder” vor uns hin, was ihn zur Raserei bringt.

Niemals haben wir einen Menschen schneller seinen Abgang nehmen sehen.

29. ZWEIFEL

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von P. OPVEA in “Klarstellung von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 27. Januar 2020

Verfügen wir über genug Geld?

Den Zweifel daran lassen wir gerne Anlass für eine Forderung nach einer monumentalen Gehaltserhöhung sein.

28. HOBBYGROßWILDJAGD

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Von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 20. Januar 2020

Wir verfügen unfreiwillig über zu viel Geld und zu wenig Verstand und wollen auch mal was erleben.

Da bleibt nur die Hobbygroßwildjagd in Afrika. Jedoch bei dem vor Vielfältigkeit so wimmelnden und kaum auseinanderzuhaltenden Getier dort, das sich überdies systematisch dem Zielbereich unserer Flinte zu entziehen gewillt zu sein scheint, müssen wir dann doch rasch einsehen, dass dies nicht unser Ding ist.

OK, then is it so.

Dann müssen wir eben weiter unseren Lebensweg mit Frauengeschichten ausgestalten.

27. GEISTLICHE LIEDER

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 20. Januar 2020

Unsere Begeisterung für den vollbusigen Menschenschlag hat sich verzettelt und uns – alte Monogamisten im reifen Vorruhestand – in die Beziehungsmehrgleisigkeit gedrängt.

In der Dorfkirche singen wir jetzt jeden Freitagabend geistliche Lieder als Edelstücke religiöser Gedankenlyrik in der Hoffnung, dass die Spur unseres Wirkens sich nicht weiter verbreitert.

26. ZUSAMMENGEKRACHT

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 13. Januar 2020

Jeden morgen, als wir uns so rein zufällig mal auf der Waage in unserem Badezimmer befinden, sagt der BMI uns, wir sind zu dick.

Es reicht jetzt. Wir sind uns schon der unbändigen Stoßkraft unseres Wesens bewusst und suchen mit Vollkraft den Zusammenstoß mit dem BMI, als wollten sich zwei Giganten in einem Titanenkampf entgegentreten, als brächen zwei Riesenbüffel aus der Herde, die schweren Hörner wiegend, beide unüberwindlich, um krachend gegeneinander zu rennen.

Heute morgen ist leider unsere Waage zusammengekracht.

Das hatten wir dem BMI nicht zugetraut. Respekt.

25. LÄSTIG

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 13. Januar 2020

Wir haben die lästige Angewohnheit uns mit den Fäusten zur Wehr zu setzen, wenn wir uns mit Worten nicht mehr zu helfen wissen.

Hinter vorgehaltener Hand wird über uns gesagt, dass wir einen angeborenen Sinn für das Wesentliche haben.

24. SEHR GUTE BREMSEN

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 6.Januar 2020

Wir lassen eine Annonce in der Regionalzeitung erscheinen: ” Verkaufen in nächster Zukunft unseren so gut wie ziemlich neuen BMW. Sportlich klingender Auspuff, geringer Spritverbrauch wegen häufigen Nicht-Anspringens und Kurzfahrtanregung aufgrund durchgesessener, neu überzogener Sitze. Leicht über dem Spritverbrauch liegender Ölverbrauch, sehr gute Bremsen.”

” Fattekonda. Fuladu. Madibu. Gungadi. AFFILLE IBI SIRING ”, rufen wir auf madagassisch öfters mal zur Selbstaneiferung aus.

Aber es meldet sich keiner, sogar von den berühmten Türken -oder so-  ist nichts zu hören.

So ist das mit diesem eigensinnigen Kundenvölkchen: durch die Wucht der Gegensätze fühlt es sich nicht verpflichtet, ein Schnäppchen zu ahnen; gibt man ihnen was, wollen sie immer mehr; gibt man ihnen nichts, wollen sie gar nichts mehr. Wir sind wohl die Gelackmeierten.

23. PROAKTIV

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von P. OPVEA in “Klarstellungen von unterhalb der Hinterbank”

Montag, den 6. Januar 2020

Wir sind im Begriff, uns proaktiv den Verlockungen unseres lethargischen Lebensstils sukzessive entziehen zu wollen. Weiter möchten wir auch die Entscheidung herbeiführen, zwecks persönlicher Motivationsanreicherung ab sofort moderate Gehaltserhöhungen hinzunehmen gewillt zu sein.

Gespannt, was sich da in absehbarer Zeit so alles tun wird.

22. Körperlose Braut

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 30. Dezember 2019

Durch unsere Beförderung zum stellvertretenden Unterabteilungsleiter für Reklame und Sonstiges werden wir uns unseres Eigenwertes energisch bewusst.

Still und geduldig hören wir uns die täglichen Beschimpfungen des Werbeleiters mit vorläufiger Prokura an, halten mit mächtigem Gegenschlag das Drängen der Unteruntergebenen auf, fordern die Sekretärinnen mit ihren knospenhaften Brüsten, die unter dem eng anliegenden, reich bestickten Mieder schwellen, peremptorisch zu Fleiß und mehr Bereitwilligkeit auf.

Die Arbeit wird uns zum Lebensrückgrat, fast könnte man sagen, unsere körperlose Braut.

Mit heiligem Eifer gehen wir bis tief in den Abend hinein unserer Leidenschaft, Excel-Tabellen zu machen, nach, bis die Putzfrauen uns mit ihren derben Sprüchen nach Hause vertreiben.

21. Unsere lieben Freunde Theologen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 23. Dezember 2019

Viele unserer lieben Freunde Theologen mit Migrationshintergrund sind von fabelhafter Nüchternheit. Sie finden es nicht gut, dass wir Bier trinken.

Auch unter unseren lieben Freunden Theologen ohne Migrationshintergrund gibt es welche von fabelhafter Nüchternheit, die es nicht so gut finden, dass wir Bier trinken.

Jedoch gibt es unter unseren lieben Freunden Theologen ohne Migrationshintergrund auch welche, die nicht von fabelhafter Nüchternheit sind und denen es egal ist, ob wir Bier trinken.

Wir selbst finden es auf jeden Fall gut, dass wir Bier trinken.

20. Neueste neue Freundin

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. Dezember 2019

Die neueste neue Freundin  lässt uns vom Versanddienst einen schönen, gut verpackten Blumenstrauß  abliefern.

“Wildblumen als Runenzeichen der Natur – Stinkstrohblumen, Asphaltklee, Stinkgänsefuß und Aronstab – nur für dich. Für eine längere Haltbarkeit, bitte, in eine Vase stellen und regelmäßig das Wasser erneuern. Und immer schön an mich denken. In Liebe. Deine neueste neue Freundin. ” steht auf der beigefügten Karte. 

Wir vermeinen Trommelwirbel zu hören, Löwengebrüll, Kriegsschreie und Gebete. Bis der beim Auspacken einsetzende Gestank uns aus unserer Wohnung direkt in die Wohnung und die  Arme unserer neuesten neuen Freundin treibt.

Ja, sowas. Vorbei die schönen, sorgenlosen Tage und die noch neueren neuen Freundinnen. Am nächsten Morgen beim Frühstück haben wir schon den künftigen neuesten Schwiegervater am Hals, der ganz beiläufig, aber immer eindringlicher, über ein Doppelfamilienhaushälftebauvorhaben direkt in der Nähe faselt.

19. Nicht verlockend

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 9. Dezember 2019

Der Egbert hat es zum Besitz eines Katamarans gebracht. Ja, der Egbert wollte schon immer hoch hinaus.

Es ist aber nicht verlockend, den Lebenslauf von dem Egbert und seinem Katamaran zu studieren. Denn der Egbert läuft mit der Maske „ungebildet und roh“ herum. Und sein Katamaran fährt auch nicht viel besser.

Der Egbert hat Probleme mit der Ich-Bildung, mit der Vertiefung der Seele, mit dem Durchbilden der eigenen Person.

Nein. Mit seinem Katamaran wird der Egbert wohl nicht in die Geschichte einfahren. Der Egbert wird eben doch nur ein Egbertchen bleiben.

18. Die tiefe Fülle seiner rauen Stimme

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. Dezember 2019

Ein brodelnder Kessel der Meinungen und Gegenmeinungen, der Stimmungen und Verstimmungen ist es nicht, als in unserem Weltkonzern die allwöchentliche Absatzmittelfristprognose diskutiert wird.

Breitbeinig steht der mächtige Gesamtspartenleiter für den nicht-operativen Bereich da, den linken Arm in die Seite gestützt, die Rechte hie und  da zu sparsamer, schwerfälliger Bewegung erhebend, und läßt die tiefe Fülle seiner rauen Stimme langsam, Wort für Wort, über unsere Köpfe hindröhnen. Manch einer von uns tritt mit schnellem Schritt nach vorne und dann wortlos noch schneller zurück, wenn er seine brennenden Augen, die rücksichtlos Wahrheit fordern, sieht.

Am Schluß kommen dann die unvermeidlichen Geschichten vom ROI und von den Kostensenkungspotentialen. Wir nicken hart Zustimmung und wanken,  vom schlafwandlerischen Ortsgefühl geleitet, dem Ausgang des Besprechungszimmers entgegen.

Wir rechnen: bis zur Rente sind es jetzt nur noch 992 Absatzmittelfristprognosegespräche.

17. Unter dem Namen “Schwein” bekannt

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 25. November 2019

Wir sind unter dem Namen „Schwein“ bekannt, den wir zu tragen uns selbst zur Ehre schätzen.

Wir sind Herrschernaturen und wie die nun einmal sind, etwas rau und gewaltsam.

Wir bilden den Charakter statt den Intellekt. Was bedeutet schon das bisschen Wissen gegenüber Fähigkeiten. Besessenheit von einer Aufgabe bricht aus uns.

Wir wollen keine Scharmützel, sondern nur große Schlachten.

16. Multivitamingetränke und Hagebuttentee

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 18. November 2019

Weil wir in den letzten Jahrzehnten so manch ein Bierchen zu viel genossen haben, nehmen wir der Gesundheit wegen auf ärztliche Empfehlung drei Wochen lang lauwarme Multivitamingetränke und Hagebuttentee – nur als Nahrung, nicht zur Erquickung – zu uns.

Das anschließende Trinken eines kühlen Bierchens ist schon eine köstliche Erfrischung.

Dabei verdrängen wir auch leichter den Gedanken, dass wir in einigen Jahrzehnten der Gesundheit wegen auf ärztliche Empfehlung erneut wohl lauwarme Multivitamingetränke und Hagebuttentee zu uns nehmen werden müssen.

Darauf trinken wir noch ein paar kühle Bierchen zu viel.

15. Der innere Frieden

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 11. November 2019

Unsere Erscheinung mit Schlagstock begünstigt auf den ersten Blick den Trugschluss, wir seien gekommen, um Kirchenchöre zu dirigieren.

Wir treiben uns aber lieber in dunklen Gassen herum, wo sich die dunklen Gedanken heimisch fühlen und die Schatten noch schwärzer werden. Unsere Leidenschaft gilt der Nacht, dem Erlöschen, dem Dunkeln des Herzens. Wir wissen von Dämonen, von den Mächten der Finsternis…

Da, wo die nächtlichen Hohnrufe des frechen Pöbels am lautesten klingen, greifen wir durch heftig geführte Schläge aufs Wirksamste ein.

Der innere Frieden, den wir suchen, ist der, der durch Kampf erlangt wird.

14. Gewaltige Geldquellen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 4. November 2019

Seit der frühesten Kindheit verfolgen wir zielstrebig unser Vorhaben, 5 Millionen € im Lotto zu gewinnen.

Denn unser Lebensweg, den wir immer vorgezeichnet sahen, ist dergestalt, dass wir zwecks Absicherung eines bestimmten Lebensstils gewaltige Geldquellen brauchen.

Und dann der furchtbare Schlag: im hohen Alter gewinnen wir 25.000 €… Aus der große Traum, alles war umsonst.

Die Kräfte des Unermüdlichen in uns haben sich verzehrt. Fortan können wir nur noch klare Denker, aber keine wahrhaft Lebendigen mehr sein.

13. Ziemlich unrasiert

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 28. Oktober 2019

Unser Haar hängt wild in langen Strähnen herab.

Wir sind verstrubbelt und mürrisch und ziemlich unrasiert.

Wir rauchen, kiffen, saufen, hängen mit den Kumpeln rum, machen Radau und die Frauen an, starren Löcher in die Luft und warten auf etwas, dass doch nie passiert.

Wir haben unsere Seele der Hölle verpfändet.

12. Da fühlen wir uns veranlaßt

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 21. Oktober 2019

Wirbelnde Bewegungen, in denen Wut liegt, packen den Körper der alten Nachbarin; in zuckenden Reflexen durchzittert das Spiel der Muskeln ihren Hintern.

Ihre Stimmgewalt ist nicht von der friedlichen Romantik eines unbeschwerten Lebens getragen, ihre Gedankenäußerungen deuten vielmehr darauf hin, dass sie uns zu allem anderen als einem lauschigen Verweilen und Plaudern einlädt. Zweifellos verdankt die Symphonie der auf uns herunterprasselnden, unartikulierten Laute ihren Ursprung einer tiefen Unzufriedenheit über unser Verhalten in Bezug auf überhängende Lebensbaumzweige.

Und wir sagen ihr noch: „Haben Sie Dank, dass wir in Ihr Leben eintreten dürfen, Sie große Dame.„  Es entlädt sich die bis jetzt noch verhaltene Wut in einem beunruhigenden Gepiepse. Eigenartiger Dämmerschein erhöht die Unheimlichkeit der Atmosphäre.

Da fühlen wir uns veranlasst, die alten Heldenlieder zu singen.

11. Naturverstand

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 14. Oktober 2019

Wir sind nicht dumm.

Wir haben sogar Verstand.

Aber nur den Naturverstand eines wilden Tieres zu seinem Beutefang, zu seinem Handwerk.

Unser Handwerk ist die Politik.

10. Der Moment für Gesprächsanbahnungen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 7. Oktober 2019

Wir machen Urlaub. In der Pension, wo wir wohnen, befinden sich acht Mädchen, beinahe alle nicht zu unhübsch.

Schon hört man uns täglich leise vor uns hin alte Minnegesänge pfeifen. Und dann wissen wir: die wilde Zeit ist jetzt da. Auf dem Boden dieser Erkenntnis erhebt sich mit mächtigem Flügelschlag unsere Einsicht, daß der Moment für Gesprächsanbahnungen gekommen sei.

Plötzlich sind sie aber weg, unsere Mädchen.

Wieder zu Hause, rufen wir für uns die Welt zum Zeugen, wie schwer wir unter den sittlichen Bedrängnissen des leichten Geschlechtes zu leiden haben, noch mehr denken wir darüber nach, wie die Blödheit in die Welt gekommen ist.

9. Gemüsegarten

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 30. September 2019

Sie liebt uns. Aber es schadet nicht. Denn sie weiß es noch nicht. So können wir sie weiterhin täglich besuchen, ohne die Unbefangenheit unserer Standpunkte und die Lässlichkeit unseres Lebenswandels aufgeben zu müssen.

In das zarte Weben dieser knospenden Beziehung schlägt nun die raue Faust  des künftigen Schwiegervaters. Uns wird gesagt, wir sollten zur Sache kommen.

Da erlauben wir uns ein freies Manneswort: „Ja, hören Sie mal, Sie Möchtegern-Schwiegervater. Wie man bemerkt, geht es bei Ihnen etwas durcheinander mit den Wertbegriffen. Wir nehmen es puritanisch ernst mit dem Pflichtenkreis der höheren Menschheit und da kommen Sie mit Ihren platten Sachen. Dabei ist es schon ein trauriges Geschick, Schwiegersohn sein zu sollen. Wir haben gar kein Interesse daran, uns dafür auszubilden. Im Übrigen haben wir Ihrerseits brautschatzmäßig bis jetzt nur sehr wenig gehört.“ Das sitzt.

Seitdem lässt er das Gespräch ruhen und blickt bei unseren Besuchen wehmütig hinaus, seinen Gemüsegarten betrachtend.

8. Dicke, feuchte Lippen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 23. September 2019

Gerade haben wir unfreiwillig die Bekanntschaft mit einigen der nicht unhübschesten blonden Vertreterinnen des vollbusigen Geschlechts gemacht, da werden wir schon von allen Seiten von dicken, feuchten Lippen geküßt.

Geduldig warten wir, bis bei der Begegnung eine Pause entsteht.

Diskret geben wir den Damen bekannt, daß es uns schmerzt, sagen zu müssen, dass wir so eben Dinge durchlebt haben, deren Erfahrung wir gerne vermieden hätten.

Verstört laufen sie davon, als wir mit hoher Fistelstimme den Welthit „Put your Hemd on my shoulder“ zu präludieren beginnen.

7. Junggesellenerlebnisgruppennachtwanderung

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 16. September 2019

Als wir erschöpft von einer Junggesellenerlebnisgruppennachtwanderung ankommen, liegt der Zielort bereits in tiefem Dunkel.

Nur am Puff brennt einladend eine kleine Laterne.

Bei den diensttuenden Mitarbeiterinnen informieren wir uns nach der örtlichen Lage des Übernachtungs- und Erlebniswesens, bekommen aber nur unpräzise Antworte.

Vergeblich versuchen wir die Gespräche weiter zu vertiefen und entscheiden schließlich den Heimweg anzutreten. Wir klingeln einige der örtlichen Taxifahrer aus dem Bett. Wir müssen sagen: die örtlichen Taxifahrer, die sich durch ihre lärmende, flegelhafte Unbedarftheit und peinliche Forschheit sowie auch durch ihre hohen Preise auszeichnen, besitzen einen Vorzug, durch den sie alle ihre Sünden gutmachen: sie fahren schnell. Wenige Stunden später befinden wir uns schon zu Hause – müde, aber glücklich.

6. Schöne Worte hingegen sind nicht zu hören

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 9. September 2019

Es ist schon ein Elend mit dieser Dorfskneipe: Bier, das unwillig fließt, Kellner die ihr Trinkgeld im Voraus nehmen, ungenießbare Mahlzeiten –selbstverständlich nichts unter acht Gängen-, blühende Blondinen, die sich freiwillig unter die Hut äußerst rabiater Greisen stellen…

Schöne Worte hingegen sind nicht zu hören.

Nach jedem verlorenen Abend schlurfen wir, müde vom Thekenhängen, nach Hause.

Der Tag war wieder einmal verhängnisvoll. Bei einigen Bierchen ringen wir in unserer Dachstube  bis tief in die Nacht um Kraft und Fassung.

5. Unser Geburtsort

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 2. September 2019

Was tropfen die Kerzen so laut? Die Sonne verfinstert sich, und die schweren Wolken ziehen über das Gebirge wie Nebelgeister dahin.

Doch berühren sie den Scheitel der Berge nicht, sie schleichen an ihnen vorüber, als fürchteten Sie ihren schaurigen Inhalt…

Unser Geburtsort macht schon einen etwas düsteren Eindruck, indem ein Dauerregen die alten Gebäude noch unheimlicher erscheinen lässt, und überdies die Burg, die auf dem höchsten Gipfel liegt, in alle Gassen ihren Geistergruß herabwinkt.

Diese natürlichen Lebensgrundlagen haben bestimmt nicht unwesentlich  zu unserem eigenwilligen Sozialverhalten beigetragen.

4. Wir empfinden einen angenehmen Eindruck

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 26. August 2019

Wir fragen den Direktor, weshalb er so finster schaue.

Seine Antwort lässt nicht auf sich warten: „Welch Übel und Verfolgung habe ich von Euch Belegschaftern nicht erdulden müssen. Und welches Elend und Unheil habt Ihr nicht über mich gebracht, und welch boshaftes Lügengewebe habt Ihr nicht gegen mich gesponnen! Die von Euch mir zugefügten mannigfachen Übel kann ich der Reihe nach wegen ihrer Menge jetzt nicht aufzählen, weil ich noch vom Kummer meiner Seele umfangen bin.“

Die Bürolampe im Direktionszimmer hört nicht auf ein weiches, mattes Dämmerlicht auszubreiten.

Wir empfinden einen angenehmen Eindruck und fühlen uns so heimisch an diesem Ort, dass wir noch am selben Tag entscheiden, uns künftig dort  immer häufiger aufhalten zu wollen.

3. Mit zu kleinen Laternen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 19. August 2019

Ein Wespenschwarm ist nachts aus irgendeinem Grund in die freudigste Aufregung versetzt und schon erscheinen wir mit zu kleinen Laternen, so dass man mehr hört als sieht.

Wovon träumen wir? Von Elefanten und von Königen, die uns feiern.

Wir haben uns auserwählt, wähnen uns sehr bedeutend und marodieren gern. 153 Scharmützel mit der alten Nachbarin haben wir schon gehabt. Wir sind willensstarke, erfahrene Männer – Männer, die gern überhängende Zweige heimlich abschneiden.

Unsere Sehnsucht nach ehelicher Harmonie schafft eine Weltsicht, die es ermöglicht, voller Empörung zu leben.

2. Das Glück der Armen

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 12.08.2019

Obwohl unsere Leistungen und die Lage unseres Weltkonzerns es nicht zulassen, bringen wir unsere Forderung nach mehr Gehalt dem Spartenleiter Personal und sonstige Probleme gegenüber eindringlich zum Ausdruck.

Wir glauben, dass er wohl vernünftig genug sei, eine Ausnahme zu statuieren.

Anfänglich unterhalten wir uns recht gut, aber bei fortschreitender Gesprächsdauer stellt sich zunehmend heraus, dass die Begriffe zu Gehaltserhöhungen für Dritte in seiner Erziehung und Ausbildung offensichtlich schwer vernachlässigt wurden. Er redet über Bescheidenheit, Selbstbesinnung, über die Erhabenheit des Weltalls, die Andacht in der Natur. Er steht auf und hält uns die weit ausgestreckten Arme entgegen: “Ein Rausch erfasst mein Herz! Eine Ekstase, die alles Denken aufhebt! Mein Ich versinkt in den Urgrund alles Seins! Begnadet, wer diesen Zustand erlebt! Es ist die Sehnsucht der Einzelseele aus der Sinnlichkeit heraus nach dem unergründlich Höchsten. Jede Kreatur teilt diese Sehnsucht. Ich liebe euch alle, ihr Gotteskinder!”

Als wir sein Büro bereits verlassen haben, hören wir noch, wie er laut jubelnd über das Glück der Armen zu reden beginnt. Wir wissen: das wird nichts mit der Gehaltserhöhung. Bis zur Frühverrentung werden wir jetzt die schwere Last unseres trüben Gemütes zu tragen haben.

1. Die Spielerfäuste

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von Carolus Borromeus in “Unweisheiten aus der Provinz”

Montag, den 5. August 2019

Bei uns ähnelt der Fußball dem gängigen insofern, als dass er –was den Ball betrifft- ohne Hände gespielt wird. Ansonsten kommen die Spielerfäuste sowohl in der 1. als in der 2. Spielhälfte recht ausgiebig zum Einsatz.

Ferner kommt es bei uns noch darauf an, während des Spiels die Zahl der Eigentore unter der der Gegentore zu halten. Und wer gewonnen hat, hat verloren.

Schließlich muss das Ende des Spiels abgewartet werden, um den Sieg zu feiern. Dies gilt sowohl für die Spieler der beiden Mannschaften als auch für die Zuschauer.

Bei uns lieben sowohl die Spieler als auch die Zuschauer den Fußball sehr.